VORWORT

Dr. Geiko Müller-Fahrenholz

Es bereitet mir große Freude, mir vorzustellen, dass diese erste Ausgabe unseres elektronischen Bulletins nun auf Ihren Bildschirmen erscheint. In drei Jahren wird die Internationale ökumenische Friedenskonvokation (IöF) in Kingston (Jamaika) stattfinden. Es ist daher höchste Zeit, Ihnen Hintergrundmaterial zukommen zu lassen, damit Sie sich bei dieser einzigartigen Veranstaltung einbringen können.

Die letzte Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (2006 in Porto Alegre, Brasilien) hatte beschlossen, 2011 eine Friedenskonvokation zu organisieren, die sowohl das "Erntedankfest" der Dekade zur Überwindung von Gewalt als auch die "Saatzeit" für neue Initiativen sein soll. Warum wählten die Delegierten "Frieden" als Gegenbegriff zu Gewalt? Diese und weitere geplante Ausgaben unseres E-Bulletins sollen darauf eine Antworten geben.

Gewalt ist ein universelles Phänomen, ein bösartiger und verhängnisvoller Missbrauch menschlicher Macht, der jeden Aspekt unseres Lebens betrifft, sowohl den intimsten als auch den globalsten. Gewalt ist eine Abwärtsspirale, die Menschen, gesellschaftliche Institutionen, wirtschaftliche und politische Strukturen und sogar die Erde selbst ins Verderben reißt. Diese Realität ist so überwältigend, dass viele Menschen es als das Gesetz ansehen, nach dem die Welt funktioniert.

Das Motto, das wir für die Konvokation ausgesucht haben, verkündet eine andere Botschaft: "Ehre sei Gott und Friede auf Erden". Diese Worte aus der allseits bekannten Weihnachtsgeschichte eröffnen einen anderen Horizont. Das Motto drückt aus, dass der Friede Gottes die Energie ist, die die Welt am Leben hält.

Der Friede Gottes hat viele Gesichter und wir erfahren ihn nur partiell, in Stücken. Wir haben für die Konvokation acht thematische Bereiche festgelegt, über die Sie in diesem Bulletin lesen werden:

Gewalt in der Theologie und Theologie gegen Gewalt; Innerer Friede; Friede beginnt zu Hause; Friede in der virtuellen Welt; Friede auf Straßen und Plätzen; Friede auf der Erde ist Friede mit der Erde; Friede auf den Märkten; Friede statt Krieg! [mehr…]

In unserer Arbeit zu diesen Themen sind wir auf Ihre Unterstützung, Ihre Anregungen und Vorschläge angewiesen. Wir hoffen daher, dass sich dieses Bulletin auch zu einem Forum und zur Basis eines Netzwerkes entwickeln kann. Wir möchten Ihnen ebenfalls Bibelstudien anbieten. Eine erste solche Bibelarbeit legt in dieser Ausgabe der Vorsitzende des Beirats Fernando Enns zu Lukas 2, 1-21 vor. Außerdem finden Sie kurze Berichte zu den Lebendigen Briefen, d.h. den ökumenischen Teambesuchen, die die ökumenische Friedensagenda den Kirchen in aller Welt näher bringen.

Ich hoffe, dass dieses Bulletin uns bei der Zusammenführung unserer Bemühungen im Dienst des göttlichen Friedefürsten helfen und inspirieren kann.

Dr. Geiko Müller-Fahrenholz

EXPERTENKONSULTATIONEN

Einer der Schwerpunkte in unserer Vorbereitung auf die Friedenskonvokation 2011 sind Expertenkonsultationen. Fachleute aus verschiedenen Ländern, Konfessionen und Kontexten treffen sich, um über verschiedene Aspekte der acht Hauptthemen der IöF zu diskutieren. Bisher haben folgende Konsultationen stattgefunden:

 

"Frieden und menschliche Sicherheit: Globale Unsicherheit und Überwindung von Gewalt"

Internationales Friedenssymposium über "Frieden und menschliche Sicherheit: Globale Unsicherheit und Überwindung von Gewalt" (31. März - 4. April 2008, Seoul, Südkorea). Die Tagung ist das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der deutschen Ostasienmission (DOAM), dem Christlichen Zentrum Tomisaka, der Koreanischen Peace Foundation und der Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV). Die Teilnehmenden diskutierten über das Konzept der "menschlichen Sicherheit" im Verhältnis zu  "Überverletzbarkeit" und Unverletzbarkeit. [mehr...]

 

"Gottesdienst, Spiritualität und die IöF"

"Gottesdienst, Spiritualität und die IöF" (3.-5. Dezember 2007) im Focolare-Zentrum in Baar (Schweiz) in Zusammenarbeit mit P202. Auf dieser Tagung wurde mit der Planung der Vorlaufzeit zur IöF begonnen, ein allgemeiner Rahmen für die Konvokation ausgearbeitet und es wurden auch bereits Einzelheiten des spirituellen Lebens während der Konvokation - Bibelarbeit, Gottesdienst, Gebet, Musik, Stille und andere geistliche Ausdrucksformen - erörtert. [mehr…]

 

 

"Schutzpflicht"

"Schutzpflicht" (16.-18. November 2007) in der Evangelischen Akademie Arnoldshain (Deutschland). Die Konsultation war ein Forum für theologische Diskussionen und versammelte eine Reihe bedeutender Akademiker/innen, Theologen/innen und Politikwissenschaftler/innen, die über Vor- und Nachteile der Schutzpflichtagenda und deren Analogien zur Theorie vom "gerechten Krieg" diskutierten und weitere Aspekte des Gewalteinsatzes zu humanitären Zwecken erörterten. [mehr…]

 

 

"Armut, Reichtum und Umwelt"

"Armut, Reichtum und Umwelt" (5.-9. November 2007) in Daressalam (Tansania). Diese Konsultation war ein Forum, auf dem Teilnehmende sich über kirchliche Perspektiven und Vorgehensweisen im Zusammenhang mit den Ursachen und mit der Überwindung von Armut, Ungleichheit und Umweltzerstörung austauschen konnten. Sie diskutierten eine theologische Grundlage für die Untersuchung der Verbindungen zwischen Armut, Reichtum und Umwelt im Zusammenhang mit dem AGAPE-Prozess und der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation. Weitere Themen waren die Ergebnisse der Studie zu Armut, Reichtum und Umwelt in Afrika sowie die Rolle von Frauen und Jugendlichen in diesem Bereich. [mehr…]

 

 

"Erinnerungen heilen - Gemeinschaften versöhnen"

30. Sept.- 4. Nov. 2007 im Dominican Retreat Centre in Dublin (Irland) in Zusammenarbeit mit der Irish School of Ecumenics. Die Konsultation befasste sich mit den verschiedenen Wegen, auf denen es Gesellschaften gelungen ist, mit Problemen im Zusammenhang mit Verbrechen großen Maßstabs fertig zu werden, die massive Auswirkungen auf ganze Nationen oder ethnische Gruppen gehabt haben. Die Teilnehmenden prüften fünf Fallbeispiele - Guatemala, Südafrika, Deutschland, Kambodscha und (Nord-)Irland - und analysierten die politischen Kontexte, in denen Versöhnungsprozesse eingeleitet wurden, die Rolle kultureller Kontexte für den Erfolg oder Misserfolg dieser Prozesse sowie die Rolle von Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Vorbereitung, Begleitung und Überwachung von Heilungsprozessen durch Erinnerung. [mehr…]

 

"Vergebung, Frieden und Versöhnung"

"Vergebung, Frieden und Versöhnung" (17.-20. Mai 2007) in Volos (Griechenland) in Zusammenarbeit mit der Volos-Akademie für Theologische Studien (Griechenland) und dem Boston Theological Institute (BTI). [mehr…]

 

BESUCHE LEBENDIGER BRIEFE

Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unseren Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. (2. Kor 3,3)

Lebendige Briefe sind kleine ökumenische Besuchsteams von 4-6 Frauen und Männern aus der ganzen Welt und aus verschiedenen Konfessionen, die Gewalt in unterschiedlicher Form kennen und sich für einen gerechten Frieden einsetzen. Die Delegationen besuchen ein Land, um den Menschen zuzuhören, von ihnen zu lernen, miteinander über Konzepte und Herausforderungen bei der Überwindung von Gewalt und in der Friedensarbeit zu sprechen und gemeinsam für den Frieden vor Ort und in der Welt zu beten. [mehr…]

Bisher gab es Besuche der Lebendigen Briefe in folgenden Ländern:

  • Sri Lanka: 4.-12. August 2007 [mehr…]

  • USA: 15.-23. September 2007 [mehr…]

  • Kenia: 30. Januar - 3. Februar 2008 [mehr…]

  • Sudan: 26. März - 2. April 2008 [mehr…]

Weitere Besuche im Verlauf dieses Jahres sind vorgesehen.

 

REDAKTIONSGRUPPE

Auf der Neunten Vollversammlung in Porto Alegre wurde die Erklärung "Gefährdete Bevölkerungsgruppen: Erklärung zur Schutzpflicht" angenommen, in der die folgende Empfehlung enthalten ist:

h) ersucht den Zentralausschuss, die Möglichkeit eines Studienprozesses zu erwägen, der alle Mitgliedskirchen und ökumenischen Organisationen für die Ausarbeitung einer umfassenden ökumenischen Erklärung zum Frieden mobilisiert, welche fest in einer klar formulierten Theologie wurzelt. Die Erklärung sollte sich u.a. mit folgenden Themen befassen: gerechter Frieden, Schutzpflicht, Rolle und Rechtsstatus nichtstaatlicher Kombattanten, Wertekonflikt (z. B. territoriale Integrität und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens). Sie sollte zum Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt 2010 angenommen werden. [mehr...]

Deshalb wird die ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden, die auf der Konvokation verabschiedet werden soll, einen Höhepunkt der Dekade zur Überwindung von Gewalt darstellen. Zu diesem Zweck wurde eine Redaktionsgruppe gebildet, die aus profilierten Theologinnen und Theologen verschiedener Konfessionen besteht und die sich mit der geplanten Erklärung zum Frieden befassen wird.

Die Redaktionsgruppe wird im Juli 2008 zum ersten Mal in Nadi (Fidschi) zusammenkommen. Der Gruppe gehören die folgenden neun Personen an:

Dr. Daniel Benga, Pfrin. Dr. Wanda Deifelt, Prof. Musa Dube, Fr. Jacob Kurian, Dr. Hong-Hsin Lin, Dr. Geiko Müller-Fahrenholz (Koordinator), Dr. Muriel Orevillo-Montenegro, Prof. Larry Rasmussen und Prof. Robert Schreiter.

BIBELARBEIT

Bibelarbeit zu Lukas 2 von Pfr. Prof. Dr. Fernando ENNS während der Tagung des ÖRK-Zentralausschusses (Februar 2008) 

Ehre sei Gott und Friede auf Erden. Dies ist das Motto für die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation zum Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt im Jahr 2011. In der Morgenandacht haben wir die Worte aus dem Lukasevangelium gehört: "Ehre sei Gott und Friede auf Erden", die im Zentrum der Weihnachtsgeschichte stehen. Unsere Andacht heute Morgen möge uns Orientierung auf unserem Weg zur Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation bringen.

Im zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums finden wir die Geschichte, an die ich mich aus meiner Kindheit am besten erinnere. Ich bin in einer weißen, protestantischen Mittelklasse-Gemeinde im Süden Brasiliens aufgewachsen, wo jedes Jahr ein Krippenspiel stattfand. Meistens wollte ich kein Engel sein, weil die alle wie Mädchen gekleidet waren. Es war viel spannender, einer der Hirten zu sein, weil die wie richtige Jungs aussahen und lange Stäbe in der Hand hielten. Aber die beste Wahl war Josef: Er sah aus wie ein Junge, musste aber auf der Bühne kein Wort sagen - man musste also keinen schwierigen und merkwürdigen Text lernen. Nur neben Maria sitzen. Was ich damals verstand, waren sehr grundlegende Dinge: Etwas sehr Besonderes war passiert. Maria und Josef waren arm. Die Hirten hatten Angst vor den Engeln, haben sich aber später mit ihnen gefreut. Und dieses neugeborene Kind war sehr anders als wir Kinder, es hatte einen merkwürdigen Effekt auf alle, die ihm begegneten. Am Ende waren alle sehr glücklich und wir bekamen Geschenke. Ich erinnere mich an das wunderbare Gefühl, Teil dieser sehr besonderen Geschichte zu werden. [mehr…]

 

 

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