Es ist mir eine große Freude, einige einleitende Worte zu dieser zweiten Ausgabe von Friedens Fragmente schreiben zu dürfen. Am 1. September werde ich meine neue Stelle als Koordinatorin der IÖF antreten. Nach 20 Berufsjahren im ÖRK - in der Kommission für Kirchlichen Entwicklungsdienst (CCPD), dem Konferenzbüro des Generalsekretariats und der Abteilung für Einkommensentwicklung und -koordinierung - ist es eine große Ehre für mich, diese neue Verantwortung übernehmen zu dürfen, und ich freue mich sehr auf die Herausforderungen, Belastungen und sicherlich auch Freuden, die auf uns alle zukommen werden.
Ich bin zutiefst dankbar, dass ich an diesem Prozess mitwirken darf, der erfolgreich angelaufen ist und sich in sehr guten Händen befindet. Die Besuche der Lebendigen Briefe, die Expertenkonsultationen, die Arbeit der Redaktionsgruppe wie auch die Anstrengungen unserer verschiedenen Netzwerke und Partner tragen dazu bei, dass dieser Prozess gut vorankommt.
Ganz besonders freue ich mich darüber, dass die Konvokation in Kingston stattfinden wird, einer der sieben Städte, die Ende der 1990er Jahre an der Kampagne "Friede für die Stadt" beteiligt waren, welche den Grundstein für die ökumenische Friedensbewegung gelegt hat. Die Karibik steht zudem im Mittelpunkt des DOV-Jahresfokus 2009, und so dürfen wir hoffen, dass die Konvokation für alle Beteiligten, aber besonders für diese Region, eine bewegende, bereichernde, bedeutsame Veranstaltung werden wird.
Mein spezifischer Beitrag wird darin bestehen, die verschiedenen Schwerpunkte, Themen und Prozesse bis hin zur Konvokation zu koordinieren. Wir planen eine ganz besondere Veranstaltung, bei der es nicht nur darum gehen wird, wichtige Inhalte zu behandeln, sondern auch sehr viele Menschen aus völlig verschiedenen Kontexten zusammenzuführen. Diese Menschen werden einander kennenlernen, gemeinsam beten und miteinander feiern und dies wird mit Sicherheit dazu beitragen, dass die Konvokation ein sehr wichtiger Moment in unserer ökumenischen Geschichte werden wird.
An dieser Stelle möchte ich allen von Herzen danken, die bereits zu diesem gemeinsamen Projekt beigetragen haben. Ich werde langsam in diese Aufgabe hineinwachsen und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit all jenen, die sich auf die eine oder andere Weise in unsere gemeinsamen Vorbereitungen einbringen. Schon im Voraus danke ich Ihnen allen für Ihre wertvolle Unterstützung und Mitarbeit.
Nan Braunschweiger
Seit unserer letzten Ausgabe von Friedens Fragmente im April 2008 haben drei größere Expertenkonsultationen stattgefunden, die Teil des Prozesses der Vorbereitung auf die IÖF sind:
Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unseren Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. (2. Kor 3,3)
Lebendige Briefe sind kleine ökumenische Besuchsteams von 4-6 Frauen und Männern aus der ganzen Welt und aus verschiedenen Konfessionen, die Zeugen von Gewalt in ihren verschiedenen Ausdrucksformen geworden sind und die sich für Frieden in Gerechtigkeit einsetzen.
Die Besuche der Lebendigen Briefe stellen für die Gastländer eine einzigartige Chance dar, Probleme, mit denen sie auf nationaler und regionaler Ebene konfrontiert sind, öffentlich anzusprechen. Ferner bieten sie Gelegenheit, die wechselseitige Verbundenheit zwischen dem Nationalen Kirchenrat, der globalen Kirche und der ökumenischen Familie als ganzer deutlich zu machen.
Bisher gab es Besuche der Lebendigen Briefe in folgenden Ländern:
Im Verlauf des Jahres sind noch weitere Besuche vorgesehen. Auf unserer Webseite werden bald nähere Informationen veröffentlicht werden.
Die Redaktionsgruppe - die für die Vorbereitung des Entwurfs der Internationalen Erklärung zum gerechten Frieden - verantwortlich ist, kam zum ersten Mal vom 9.-11. Juli 2008 in Nadi (Fidschi) zusammen. Der Gruppe gehören derzeit die folgenden acht Personen an: Dr. Daniel Benga, Pfrin. Dr. Wanda Deifelt, Fr. Jacob Kurian, Dr. Hong-Hsin Lin, Dr. Geiko Müller-Fahrenholz (Koordinator), Dr. Loreen Iminza Maseno,Dr. Muriel Orevillo-Montenegro, Prof. Larry Rasmussen und Prof. Robert Schreiter. [mehr ]
Die Redaktionsgruppe wird vom 18.-22. September 2008 zum zweiten Mal zusammenkommen. Gastgeberin dieser zweiten Tagung wird die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche sein, der wir an dieser Stelle für ihre großzügige Unterstützung danken.
Tagungsort wird die Missionsakademie an der Universität Hamburg sein, die ökumenischen Reisenden gut bekannt ist. Sie beherbergt Studierende aus aller Welt, die ihre Dissertation an der Universität Hamburg schreiben. Mehr über die Akademie erfahren Sie unter http://www.missionsakademie.de/dt/index.html
Diese Tagung wird der Redaktionsgruppe auch Gelegenheit zur Begegnung mit Pfr. Dr. Fernando Enns bieten, der an der Universität Hamburg lehrt und Vorsitzender der DOV-Referenzgruppe ist.
Alljährlich wird für die DOV ein Jahresfokus bestimmt, mit dem eine bestimmte Region in den Vordergrund gerückt wird. Mit den Kirchen dieser Region wird ein relevantes Thema erarbeitet, mit dessen Hilfe lokale, nationale und regionale Initiativen zur Überwindung verschiedener Formen von Gewalt vorangebracht und spezifische Erfahrungen und Lektionen aus der betreffenden Region ausgetauscht werden können.
Seit Beginn der Dekade ist es zur Tradition geworden, dass die DOV-Referenzgruppe ihre jährliche Tagung in der Region abhält, die gerade im Mittelpunkt des Dekadenfokus steht. Da der Jahresfokus 2008 auf den Pazifischen Inseln liegt (für weitere Informationen bitte hier klicken), kam die Referenzgruppe 2008 in Nadi (Fidschi) zusammen.
Auf dem Weg zur christlichen Einheit
Biblische Meditation: eine orthodoxe Perspektive
So macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht (Philipper 2,2-5)
Obwohl sich die Textstelle im Philipperbrief nicht direkt auf das Wesen der kirchlichen Einheit bezieht, die wir suchen, so sagt er doch etwas zu dem Prozess oder vielmehr der inneren Einstellung aus, die wir im Prozess unserer gemeinsamen Suche nach christlicher Einheit haben sollten.
1. Die Schlüsselbegriffe, die aus diesem Text heraus sprechen, sind der orthodoxen Theologie und Spiritualität sehr vertraut: Demut, Liebe, Dienst und Fürsorge.
Obwohl die Suche nach Einheit für all jene, die in ökumenischen Begegnungen und Dialogen mitwirken, verpflichtend bleibt, so dauern die Schwierigkeiten doch an, da die verschiedenen Partner diese Suche unterschiedlich verstehen und angehen. Für einige ist der Dialog annehmbar, solange die unterschiedlichen Identitäten, wie sie in ihrer geschichtlichen Entwicklung verstanden und gelebt werden, nicht bedroht sind. Es besteht die Befürchtung, die eigene, besondere Identität zu verlieren; die Befürchtung, dass einige im Prozess des Strebens nach Einheit gewinnen und andere verlieren könnten. Und niemand will zu den Verlierern gehören.
Bisweilen gibt es einen Machtkampf, in dem die einen ihre "Wahrheit" den "Wahrheiten" der anderen entgegenhalten. Diejenigen, die so denken, akzeptieren und fördern den Dialog, solange er zur "Zusammenarbeit" führt und auf dieser Ebene verbleibt, aber nicht Veränderung oder tiefen Wandel impliziert.
Das Problem ist, dass einige von uns sich manchmal verhalten wie die zwei Jünger im Markusevangelium, die Jesus baten, zu seiner Rechten und Linken sitzen zu dürfen, wenn er in seiner Herrlichkeit wiederkäme. Einige von uns, die in den ökumenischen Dialogen und in der Suche nach christlicher Einheit engagiert sind, verhalten sich so, als säßen sie bereits zur Rechten und Linken Jesu. Und von dieser Position aus sprechen wir in arroganter Weise zu den anderen.
2. Die christliche Wahrheit ist keine Ideologie; sie ist kein Gedankensystem, keine Sammlung richtiger Aussagen, die im Konflikt oder Wettbewerb mit anderen ideologischen Systemen stehen würde. Die christliche Wahrheit liegt in der Person Christi begründet, der sich den Menschen als "der Weg, die Wahrheit und das Leben" anbietet. Das christliche Zeugnis beruht auf dem Zeugnis von der Fülle Christi. Durch Christus sind wir mit dem Vater verbunden und haben Teil an der koinonia des Heiligen Geistes. Die Glaubenssätze der frühen ökumenischen Konzilien stellten keine Neuerungen oder Zusätze oder dogmatische Ausführungen des apostolischen Kerygmas dar, sondern sie bekräftigten und formulierten die Fülle Christi, wann immer sie in Frage gestellt oder bestritten wurde. Doch selbst dann bestand die Absicht nicht darin, schlechte und gute Formulierungen klar voneinander abzugrenzen. Es ging dabei vielmehr primär um die Frage der Erlösung, die sehr stark in Zusammenhang mit der Fülle des Lebens in Christus gebracht wurde. [mehr ]