EDITORIAL

Pfarrer Gary Harriott

Die Karibische Kirchenkonferenz und der Rat der Kirchen in Jamaika, sowie ein breites Spektrum der christlichen Gemeinschaften in der Karibik und vor allem in Jamaika, gehen mit großen Erwartungen an die Vorbereitungen für die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation (IÖFK) in Kingston, Jamaika. Wir sehen eine großartige Aufgabe vor uns und spüren eine enorme Verantwortung, wenn wir uns nun verpflichten, dieses Ereignis zu einer denkwürdigen und lebensverändernden Begebenheit für alle Teilnehmenden zu machen und auch für diejenigen, die nach der Konferenz von den verschiedenen Berichten und dem Miteinanderteilen profitieren werden. Wir begrüßen Nan Braunschweiger, die neue IÖFK-Koordinatorin, und freuen uns auf eine gute und bereichernde Zusammenarbeit mit ihr.

Das Jahr 2009 ist für uns in der Karibik ein wichtiges Datum. Der jährliche Schwerpunkt der Dekade liegt in diesem Jahr auf der Karibik; zu einem späteren Zeitpunkt werden wir Ihnen liturgisches Material zustellen, das wir im Blick auf den Internationalen Gebetstag für den Frieden (21. September) vorbereiten. Der Karibikfokus ebenso wie die Planung für die IÖFK waren entscheidend dafür, dass sich der IÖFK-Planungsausschuss und die DOV-Referenzgruppe vom 18.-25. April 2009 in Kingston treffen. So gibt es Erfahrungen aus erster Hand bei der Vorbereitung dieses wichtigen Ereignisses im Jahr 2011. Wir bitten Sie, uns mit Ihren Gebeten bei der Planung zu unterstützen.

Die Karibik hat ihren fairen Anteil an Gewaltverbrechen und Straftaten. Die Region hat eine Geschichte der Gewalt hinter sich, die vom institutionellen Sklaventum bis in die kolonialen und post-kolonialen Zeiten reicht. Heute werden viele Regionen der Karibik deutlich herausgefordert durch die Zunahme an Gewalt und Kriminalität; die meisten Straftaten ergeben sich aus dem illegalen Drogenhandel, sind auf Banden-Aktivitäten zurückzuführen oder werden von Menschen begangen, die nicht gelernt haben, ihre Streitigkeiten gütlich zu regeln.

Trotz eines gewissen Maßes an Erfolg werden unsere Sicherheitskräfte und auch unsere Regierung in Jamaika, durch den Zustrom und die Verfügbarkeit von illegalen Schusswaffen auf unserer geliebten Insel auch weiterhin gefordert und in Frage gestellt. Wir sind besorgt über die große Anzahl der jungen Männer, die sich in solchem anti-sozialen Verhalten engagieren, wie auch über die Zahl der Familien, Schulen und Gemeinschaften, die von dem Moloch Verbrechen betroffen sind. Wir wissen, es braucht einen sektorübergreifenden Ansatz zur Bewältigung dieser phänomenalen Herausforderung, und wir sehen, dass die Kirche bei einer solchen Initiative ein wichtiger Akteur ist.

Trotz dieser Herausforderungen ist es paradox, dass viele unserer Freunde, die unsere Region besuchen, unsere Insel bereichert verlassen, weil sie von dem freundlichen und fürsorglichen Geist unseres Volkes und der Dynamik unserer Kultur inspiriert worden sind. Trotz der Herausforderungen leisten wir weiterhin bedeutende Beiträge für die globale Gemeinschaft. Vielleicht können Sie daher das jamaikanische Motto "Jamaika… kein Problem" verstehen. Wir wissen, was es heißt, nicht zuzulassen, dass unsere Probleme uns zurückhalten. Inmitten der Schwierigkeiten erkennen wir, was es bedeutet, Träger und Trägerinnen der Hoffnung zu sein, die im Evangelium Jesu Christi eingebettet liegt. Dieser Glaube hat schon unsere Eltern wie auch unsere Ahnen getragen und wird auch uns in der heutigen Zeit aufrechterhalten, wenn wir uns für den Frieden einsetzen. Schon jetzt freuen wir uns darauf, diese Hoffnung mit Ihnen im Jahr 2011 zu teilen.

Pfarrer Gary Harriott,
Generalsekretär,
Rat der Kirchen in Jamaika

 

FRIEDENSBEMÜHUNGEN VOR ORT IN JAMAIKA

The Violence Prevention Alliance - Jamaica Chapter (VPA) ist ein Netzwerk der Regierungs-, Nichtregierungs- und Gemeinde-Organisationen, die zusammen arbeiten, um Gewalt zu bekämpfen.

Der Kirchenrat in Jamaika ist ein vollwertiges Mitglied von VPA; der Generalsekretär, Pfr. Gary Harriott, und die IÖFK-Koordinatorin, Nan Braunschweiger, konnten vor kurzem an der Einweihung eines "Learning for Life Centre" in Hannah Town teilnehmen. Hannah Town ist eine der am meisten von Gewalt heimgesuchten und benachteiligten innerstädtischen Gemeinden.

Das Zentrum besteht aus einem Labor von 4 PCs mit Online-Programmen für Lesen, Schreiben und Rechnen und richtet sich vor allem an die männliche Jugend in der Region. Ein solches System funktioniert bereits erfolgreich an mehreren anderen Orten auf der Insel. Strategisch gesehen liegt das Zentrum in der Nähe der Polizeistation von Hannah Town, damit die jungen Leute eine positive Beziehung zur Polizei aufbauen können. Durch ein Sportprogramm erhöht sich die Teilnehmerzahl und schafft Partnerschaften in der Gemeinschaft.

Hilfe steht zur Verfügung für das Leben Lernen, z.B. Bewerbungen schreiben, Formulare ausfüllen, Lebenslauf verfassen, usw. Die vermittelten Fähigkeiten sind in der Regel auf die Bedürfnisse der einzelnen Personen zugeschnitten. Ziel ist es, einen dauerhaften Frieden in den von Gewalt zerstörten Gemeinden aufzubauen, indem Ausbildungsmöglichkeiten bereitgestellt werden, die gefährdeten Jugendlichen, die ansonsten in gewalttätige Aktivitäten verwickelt wären, Beschäftigung bieten.

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EXPERTENKONSULTATIONEN

Folgende Expertenkonsultationen sind bis jetzt für 2009 geplant:

Konsultation über "Sicherheit, Frieden und Entwicklung in Südasien" (30. März - 4. April 2009), Bangalore, Indien. Südasien, eine der einzigartigen Regionen auf der Erde, nach wie vor voll Leben und in den Fängen einer andauernden Krise. Ein tiefes Gefühl von Angst und Unbehagen - eine Reihe von Gründen führen dazu - hängt heute über Südasien: Armut, Bürgerkrieg, ethnische Konflikte, Terrorismus, kommunale und politische Gewalt, religiöser Extremismus, Machtasymmetrie in der Region, Wettrüsten, Militarisierung, grobe und systematische Verstöße gegen die Menschenrechte, geo-politische und strategische Veränderungen. Selbst wenn die Länder Südasiens einen gemeinsam kulturellen Hintergrund haben und politische Erfahrungen teilen, zeichnen sich diese Länder durch multi-ethnische Gesellschaften mit markanten internen Spaltungen gemäß sprachlicher, regionaler, kommunaler und sektiererischer Linien aus . [Mehr …]

Klimawandel (20.-24. April 2009), Nadi, Fidschi. Weitere Informationen hierüber in Kürze auf der DOV-Website. [Mehr...]

Friedensethik. Eine pan-orthodoxe Konsultation (29. Juni-3. Juli 2009), Bukarest, Rumänien. Zweck dieser pan-orthodoxen Konsultation ist es, eine Ethik für den Frieden zu erforschen, wie sie sich in der Geschichte der orthodoxen Kirche ergeben hat. In Anerkennung der historischen, kulturellen und anthropologischen Vielfalt von Erfahrungen, die jede lokale Ostkirche erlebt hat - angefangen von der arabischen, armenischen, koptischen, griechischen, lateinischen, slawischen und zeitgenössischen orthodoxen Diaspora - sind die Lehren Jesu über die Nicht-Vergeltung gelegentlich verformt und im Einklang mit den Bedürfnissen der Zeit interpretiert worden. Da keine pan-orthodoxe Synode die Theorie eines gerechten Krieges billigte, riefen die Qualen des Krieges oft selbstgerechte Gefühle hervor, die dem Feind Schmerz und Leid zufügten. [Mehr …]

Friedliches Leben für Kinder und junge Leute (17.-20. August 2009), Genf, Schweiz. Ausbildungskurs, gemeinsam organisiert von dem Globalen Netzwerk der Religionen für Kinder und dem Ökumenischen Rat der Kirchen, in Zusammenarbeit mit dem Interreligiösen Rat für ethisch-moralische Erziehung von Kindern. [Mehr…]

Inter-Orthodoxe IÖFK-Vorbereitungstagung (15.-22. September 2009), auf der Insel Kalymnos, Griechenland. Mehr Informationen dazu binnen kurzem auf der DOV-Website. [Mehr...]

 

BESUCHE LEBENDIGER BRIEFE

Lebendige Briefe sind kleine ökumenische Besucherteams, die ein Land besuchen, um zuzuhören, zu lernen, Ansätze und Herausforderungen miteinander zu teilen bei der Überwindung von Gewalt und beim Aufbau von Frieden; sie beten gemeinsam für den Frieden in der Gemeinschaft und in der Welt. Ein Team besteht meist aus 4-6 Frauen und Männern aus der ganzen Welt, die Zeugen von Gewalt in ihren verschiedenen Formen geworden sind und sich für einen gerechten Frieden einsetzen. Ein Besucherteam der Lebendigen Briefe wird erfolgreich sein, wenn die Besuchten bestätigen können: "wir sind nicht allein!", und wenn die Teammitglieder das Gefühl haben, dass sie durch die Besuche, die sie unternommen haben, um Mut zu spenden, selber bereichert worden sind.

Die Lebendigen Briefe demonstrieren Solidarität zwischen Kirchen und Menschen, die im Rahmen schmerzhafter Erfahrungen von Gewalt leben und darauf reagieren, und teilen hilfreiche Einsichten und Ansätze zur Überwindung von Gewalt. Sie vertiefen ökumenische Kontakte zwischen den Kirchen, nationalen Kirchenräten und den mit ihnen verbundenen Organisationen und Netzwerken, und stellen eine Verbindung her zu Gemeinden, Studenten- und Jugendgruppen sowie theologischen und anderen kirchlichen Institutionen auf der Suche nach einer "Ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden".

Seit unserer letzten Ausgabe von Friedens Fragmente, haben folgende Besuche stattgefunden:

Weitere Informationen zu den Lebendigen Briefen finden Sie auf der DOV Website

 

REDAKTIONSGRUPPE

Das Mandat der ersten Redaktionsgruppe endete im letzten Herbst mit der Fertigstellung des Dokumentes "Erster Entwurf auf dem Weg zu einer ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden". Im Dezember 2008 wurde dieser Text an Mitgliedskirchen, nationale Kirchenräte, theologische Einrichtungen und andere Institutionen verschickt mit der Bitte, bis Ende 2009 dazu Stellung zu nehmen. Eine besondere Anstrengung wurde unternommen, auch möglichst viele Einzelpersonen aus dem DOV-Netzwerk einzubeziehen.

Eine zweite Redaktionsgruppe soll in diesem Frühjahr ernannt werden. Sie wird die Aufgabe haben, das gegenwärtige Dokument zu revidieren oder einen neuen Text zu verfassen anhand der Stellungnahmen aus den Mitgliedskirchen, theologischen Fakultäten, anderen Einrichtungen und Einzelpersonen. Die Gruppe wird sich im Laufe der nächsten 18 Monate zwei- bis dreimal treffen, Der zweite Entwurf der Ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden soll Ende 2010 vorliegen, um dann im Mai 2011 von der IÖFK verabschiedet zu werden.

 

THEOLOGISCHE REFLEKTION

Junge Leute und Einsamkeit

Auszüge aus einem Vortrag von P. Stavros Kofina an der 2. Internationale Jugendkonferenz, Istanbul, Türkei, Juli 2007Seit Monaten hängt in einer der Hauptstrassen von Athen in riesiges Plakat mit großen roten Buchstaben: DU BIST NICHT ALLEIN! Zweifellos bringt diese Anzeige eine der größten Sorgen von heute zum Ausdruck. Einsamkeit ist eine der häufigsten menschlichen Erscheinungen zu allen Zeiten. Es scheint jedoch, dass unsere moderne Gesellschaft, vor allem die Zivilisation im Westen, sie als ein wichtiges Thema in den Vordergrund gerückt hat. Einsamkeit ist die Wurzel vieler Krankheiten in unserer Gesellschaft, z.B. Selbstmordversuche, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, psycho-somatische Krankheiten und selbst Autounfälle! Die Wahrheit ist doch, dass die heutige Gesellschaft uns zwingt, unser Gefühl der Einsamkeit in einer Art und Weise zu spüren, das wir nicht leugnen können. Unser Lebensstil schafft nicht nur Einsamkeit, sondern drückt sie auch aus. Einsamkeit macht uns fassungslos und füllt uns mit schmerzhafter Trauer. Einsamkeit ist wie ein kostbarer Fluch; wir versuchen, sie zu vermeiden, aber trotzdem versuchen wir, sie zu bewahren.

Es gibt ein hohes Maß an Einsamkeit, die wir Menschen gemeinsam erfahren, die aber nicht allgemein ist. Auf dieser ersten Ebene fühlen sich alle, die ein glückliches Familienleben, Erfolg im Beruf und Kollegen als Freunde haben, nicht so einsam wie jene, die sich ihren Familien und ihren Lieben entfremdet haben, die heimatlos und arm, sozial ausgegrenzt oder von Krieg betroffen sind.

Und doch gibt es eine andere Ebene der Einsamkeit, die uns allen gemeinsam ist. Es ist die Einsamkeit als eine allgemeine menschliche Erfahrung. Natürlich gibt es Unterschiede in Bezug auf diese Erfahrung. Einige Dinge, die Menschen im Westen sich einsam fühlen lassen, machen andere im Osten nicht einsam. Es gibt eine Einsamkeit, die viele Frauen kennen (was viele Männer nur schwer verstehen können), gerade wie auch eine Einsamkeit, wie sie Männer erleben (was wiederum einige Frauen nicht verstehen können). Wir als ältere Erwachsene erfahren Einsamkeit auf eine andere Art und Weise als die jungen Leute; und die Tatsache, dass wir diesen Unterschied nicht voll erfassen können, ist eine der wichtigsten Ursachen für die Kluft zwischen den Generationen. Um diese wachsende Kluft zu überbrücken, müssen wir verstehen, dass wir alle in allen Phasen unseres Lebens versuchen, das gleiche Geheimnis des menschlichen Bewusstseins zu ergründen: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Wem kann ich vertrauen?" Bei der Beantwortung dieser Fragen versuchen wir alle, unser persönliches Wesen in Bezug auf die Welt um uns herum zu bestätigen. Wir bemühen uns, die Einzigartigkeit unserer selbst (unser "ich") in die Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen (das "wir") zu stellen und die Grenzen unserer conditio humana zu erkennen. Uns allen ist gemeinsam, dass wir auf dieser Suche nach der eigenen Identität Trennung und Tod, Sehnsucht und Einsamkeit begegnen. Das Schlimmste von ihnen ist Einsamkeit.

[Mehr (auf Englisch)…]

 

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