EDITORIAL

Prof. Alison Phipps

Es begab sich aber zu der Zeit, dass es einige ausrangierte Stücke Holz gab, die grob zu einem Futtertrog für Tiere zusammengefügt waren. Gewöhnlich war der Trog voll von Heu und Stroh, aber in Palästina diente er für kurze Zeit einem neugeborenen Kind als Wiege, hörte die Geschichten der Hirten, den Gesang der Engel, die „Ehre sei Gott und Frieden auf Erden“ anstimmten. Er barg Geschichten eines Sterns und langer Reisen; er sah Gold, Weihrauch, Myrrhe.

In unserer Tradition scheinen sich Geschichten um Säuglinge zu handeln, um den Kampf von der Unfruchtbarkeit bis zur Geburt, um das Bündeln von Hoffnung auf einen Neuanfang, um die unsichere, geheimnisvolle und brüchige Reise von der Empfängnis bis zur Geburt. Denken Sie an die Geschichten von Hagar und Sarah, von Hannah und Rachel, von Elisabeth und Maria. Geschichten sammeln sich an, wo es Verletzlichkeit und Sehnsucht gibt, wo Macht und Missbrauch herrschen, wo es Krieg gibt und Wunder des Friedens geschehen. Geschichten leben in der unleugbaren Unfehlbarkeit der Schreie des Leidens, Hunger, Not, Verzweiflung und in der Überraschung und Verwunderung, dass Freude und ein sicherer Hafen am Ende von langen Kämpfen und gefährlichen Reisen stehen. Denn um Geschichten erzählen zu können, muss es Hoffnung auf Veränderung, muss es sehr viel Liebe geben.

Geschichten scheinen sich auch um Holz anzusammeln. Holz wurde von einem Ersatzvater bearbeitet und mit einem Tuch von einer Mutter ausgekleidet, die in der Dunkelheit auf einen hölzernen Futtertrog stieß und ihr erstgeborener Sohn somit eine Wiege hatte. Jesus war ein Modell für unser Leben, hörte von Korn und der Qualität des Holzes; da er seine Tagesjob aufgegeben hatte, saß er in Booten aus Holz, verfluchte einen Feigenbaum, wandelte zwischen Olivenhainen und zeigte auf einen Senfbaum, als er zu den Menschen auf eine Art und Weise vom Leben sprach, die sie leicht verstehen konnten. Er beendete sein kurzes Leben, so wie er es begonnen hatte: mit Holz, an einem Baum hängend an einem Ort, so stellen wir uns vor, wo Bäume gefällt wurden, um ein Kreuz errichten zu können für die brutale öffentliche Hinrichtung. Er erscheint wieder, als der Baum des Lebens, mit der ganzen Vitalität eines Gartens in voller Blüte, der Lebenssaft fließt wieder, der Baum des Lebens.

Die Geschichten, die von Jesus handeln, sind unsere Geschichten auf dem Weg zur IöFK: Geschichten im Blick auf Frieden in der Gemeinschaft, Frieden zwischen Frauen und Männern, häuslicher Friede; wirtschaftlicher Friede; eine Frau hört zu bluten auf, fünftausend Menschen werden gespeist, der Herr und Meister hört einer Samariterin am Brunnen zu. Geschichten von Frieden mit der Erde, als der Sturm sich legt und die Fische wieder reichlich zurückkehren; Geschichten von Frieden zwischen Völkern, wo ein Besatzungssoldat Jesus um Hilfe und Heilung bitten kann, und wo der Kontext von Galiläa und Jerusalem immer greifbar ist. Das sind Geschichten, in denen es viel Leben gibt, die in und aus einem bestimmten Kontext erzählt werden und als solche zu unseren eigenen Geschichten werden.

Es ging nicht so sehr darum, dass Jesus hübsche kleine Geschichten, sogar häusliche Geschichten erzählte, sondern dass seine Geschichten vorzuschlagen scheinen, dass das Immaterielle greifbar ist – Ehre sei Gott und Friede auf Erden! Diese Geschichten zeigen, dass es einen besseren Weg zu leben gibt - einen Weg der Gewaltlosigkeit und Versöhnung, der Überwindung von Vorurteilen und das Angebot der Vergebung. Eine kostspielige Methode, aber ein Weg, der einladend und möglich ist, gleich um die Ecke oder in der nächsten Strasse, mit unseren Nachbarn, oder mit denen, die uns anvertraut sind.

Es gibt gute Nachrichten in den Geschichten und Gleichnissen, die Jesus erzählt, Nachrichten über einen Weg der Gewaltlosigkeit, einen Weg des gerechten Friedens. Und es sind nicht nur die Geschichten selbst, die uns in ihrer bemerkenswerten Weise des Erzählens und Vorschlagens als aufmerksame Leser und Hörer fordern. Die Geschichten laden uns ein, uns selbst in solchen Geschichten vorzustellen, als nachsichtige Väter, als Verlierer von Münzen, als entlaufene Kinder, angegriffen, verletzt, auf der Strasse liegend, oder zufällig einen Fremden treffend und die Möglichkeit einer Beziehung geboten zu bekommen. In diesen Geschichten sind wir in der Welt der Möglichkeiten, einer bekannten Welt, eine Welt, die parallel zu den Geschichten läuft, die wir jeden Tag erzählen. „Ich konnte mein Geld nicht finden, ich habe das Haus auf den Kopf gestellt.“ „Hast du gehört, Sarah hat ein Kind – und das nach all diesen Jahren und all dem Schmerz.“ „Ich war gerade auf dem Weg zum Markt, als ich auf jemanden traf, der von einem flüchtigen Fahrer verletzt liegen gelassen wurde.“ „Ich habe mir vorgenommen, zu Hause anzurufen, es ist so lange her, dass wir uns gestritten haben.“

Vom Frieden reden, bedeutet, die Geschichten unseres alltäglichen Lebens zu erzählen, die zeigen, dass das Werk der Liebe, von Gott und dem Nächsten noch unter uns lebendig ist. Es bedeutet, Geschichten vom kleinen Wunder des gerechten Friedens zu erzählen, Geschichten von veränderten Leben und sich auf Gottes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu stützen.

Geistliches Leben und unsere Bemühungen um einen gerechten Frieden leben von der Kraft des Geschichtenerzählens und des Geschichtenerzählens, das Wort und Fleisch, Rede und Sache, Traum und Rauheit der Wirklichkeit zusammenbringt. Geschichten von Gerechtigkeit und Frieden sind so inhaltlich und erdgebunden, wie sie eine ferne Hoffnung auf Vergebung, Versöhnung, Wiederherstellung der richtigen Beziehungen bejahen. Unsere Geschichten halten die Spannung, das Paradox, selbst die Unmöglichkeit des Gesangs der Engel und die Geschichte von Christi Tod und Auferstehung zusammen - die Geschichte: Ehre sei Gott und Friede auf Erden!

In Vorbereitung des gottesdienstlichen Lebens an der IöFK hat die Arbeitsgruppe „Geistliches Leben“ Geschichten aus der ganzen Welt, den Lebensbereich eines jeden Mitglieds und seiner Tradition kennen gelernt und an verschiedenen Orten getagt, wo sie den Geschichten des Friedens dort zugehört hat. Die neue Veröffentlichung zur Adventszeit konzentriert sich auf das „ vom Frieden erzählen“ und versucht, das Geschichtenerzählen in den Kern unserer spirituellen Explorationen zu stellen. Sie stützt sich auf Geschichten der „Lebendigen Briefe“, die einen Teil der Arbeit der Dekade zur Überwindung von Gewalt ausmachen, versucht aber auch, solche Geschichten von Besuchen einzubeziehen, die zur Solidarität anregen und das Bewusstsein der Möglichkeiten zur Überwindung von Gewalt anheben.

Prof. Alison Phipps
Mitglied des Ausschusses für Geistliches Leben an der IöFK
Direktorin des Studienzentrums für Glaube, Kultur und Erziehung an der Universität Glasgow
Mitglied der Iona-Gemeinschaft

 

EXPERTENKONSULTATIONEN

Die Daten der Konvokation rücken näher, und in Genf beginnen die IöFK-Mitarbeitenden inzwischen, die Früchte des konsultativen Prozesses zu ernten. Die Zahl der Expertenkonsultationen wird sich 2010 langsam verringern, sodass der Mitarbeiterstab in der Lage ist, die wesentlichen Elemente dieser verschiedenen seit 2007 stattfindenden Konsultationen zusammenzutragen. Als letzte Konsultation im Jahr 2009 war geplant:

  • Atomwaffen, Nord-Ost-Asien und außerdem: Revitalisierung der ökumenischen Bewegung (3.-7. Dezember 2009), in Hwacheon, Südkorea. Atomwaffen und ihnen verwandte Technologien, ihre Produktion, Weiterentwicklung und ihr Gebrauch sind unvereinbar mit dem Leben der Menschen. Und doch wurden sie entwickelt und immer wieder weiter entwickelt und 1945 von den Vereinigten Staaten verwendet, um Menschenleben zu zerstören und das Leben von Lebewesen in Nagasaki und Hiroshima in Japan zu vernichten - welch ein fataler Augenblick in der Geschichte auf Erden. [Mehr…]

BESUCHE LEBENDIGER BRIEFE

Besuch Lebendiger Briefe in Indien.

Seit der letzten Ausgabe haben folgende Besuche stattgefunden:

  • Indien – 21.-27. September 2009 [Mehr…]

  • Honduras – 2.-7. August 2009 [Mehr …]

 

Weitere Informationen zu den Lebendigen Briefen finden Sie auf unserer Website.

 

REASONING

„Reasoning“ (Gedankenaustausch) - diesen karibischen Namen haben wir für eine Reihe von Workshops für Austausch und Lernen gewählt. Für den Gedankenaustausch wird Raum für Reflexion, Bildung und Austausch bester Praktiken bereitgestellt werden, wobei von konkreten Beispielen der Friedensstiftung und einem besonderen Fokus für die Jugend ausgegangen wird. Reasoning bietet eine Gelegenheit zu wachsen und zu lernen, Menschen aus verschiedenen Regionen und Traditionen kennen zu lernen und gemeinsam zu erkennen, wie wir zu Wegbereiterinnen und Wegbereitern von Gottes verwandelnder Präsenz für den Frieden in der Welt werden können.

Reasoning wird Gelegenheit bieten, die Reflexion über die IöFK-Themen zu vertiefen und den Teilnehmenden Mittel an die Hand zu geben, die sie zu Hause anwenden können. Ein Aufruf für Workshop-Vorschläge ist auf der IEPC Website erhältlich.

Können Sie einen Workshop vorschlagen?

Wer einen Workshop auf der IöFK veranstalten möchte, sollte uns das so bald wie möglich und spätestens bis zum 31. März 2010 mitteilen. Entscheidungen werden bis zum 31 Mai 2010 getroffen und die betreffenden Personen benachrichtigt. Bitte füllen Sie das Vorschlagsformular aus und senden es zurück an das IöFK-Koordinationsbüro.

Weitere Informationen und Formular für Workshop-Vorschläge

 

REDAKTIONSGRUPPE

Foto: Angie Garrett/Flickr

Was geschieht mit der Ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden?

 

  • Der erste Entwurf wurde im Dezember 2008 an die Kirchen versandt.

  • Reaktionen wurden bis 31. Dezember 2009 erbeten.

  • Die Erklärung, die von einer zweiten Redaktionsgruppe im Laufe des Jahres 2010 ausgearbeitet werden soll, stützt sich auf:

    • eingesandte Erklärungen
    • Reaktionen auf den Ersten Entwurf

    • bestehende Erklärungen von Kirchen in den letzten Jahren

    • Berichte der ÖRK-Besuche „Lebendige Briefe“ und der Expertenkonsultationen

  • Erklärung wird dem ÖRK-Zentralausschuss im Februar 2011 vorgelegt
  • Erklärung wird der IöFK in Kingston im Mai 2011 zur Verabschiedung vorgelegt

  • Erklärung und Botschaft aus Kingston werden an die ÖRK-Vollversammlung 2013 weitergeleitet

DOV-JAHRESFOKUS

In 2010 wird Afrika der letzte Jahresfokus für die Dekade zur Überwindung von Gewalt sein. Der Jahresfokus wird an den DOV/IöFK/ECHOS Sitzungen in Addis Abeba, Äthiopien (23.-30. Januar 2010) lanciert und hat zum Ziel, die Dekade und die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation unter den Kirchen auf dem afrikanischen Kontinent bekannt zu machen, bestehende Initiativen zu vernetzen und neue Initiativen anzuregen. Nicht zuletzt ist der Jahresfokus ein Aufruf an die Kirchen in der ganzen Welt, sich im Gebet für Afrika und seinen Überlebenskampf sowie gerechten Frieden einzusetzen.

Frühere DOV Jahresschwerpunkte

 

ADVENTSGEBET

Gnädiger Gott,

wir treten vor dich, um dir die unsere Anliegen

und die Leiden der Welt vorzubringen.

Inmitten von Skepsis und Zweifel an deinem liebenden Wesen,

entzünde dein Licht in den Herzen aller Völker,

damit sie deine Gegenwart spüren,

deinem treuen Bund vertrauen,

an dein Versprechen des Heils glauben,

an das Kommen des Messias, des Gesalbten, glauben.

In deiner Gnade, so bitten wir:

 

♪  Gesungene Antwort

Inmitten religiöser Pluralität,

die Argwohn und Hass in den Gemeinschaften aufflammen lassen,

entzünde dein Licht in den Herzen aller Völker,

damit sie einander als deine Kinder ehren, nach deinem Ebenbild geboren,

den Glauben eines jedes Menschen achten,

damit sie Religion nicht weiter benutzen, um politische und soziale Macht auszuüben,

Diskriminierung und Spaltungen aufgrund von Religion beenden.

In deiner Gnade, so bitten wir:

 

♪ Gesungene Antwort

Mitten unter Terrorismus und Kriegen im Namen der Religion,

entzünde dein Licht in den Herzen aller Völker,

damit unsere Waffen des Todes sich in Werkzeuge des Lebens verwandeln,

um Wahrheit, Frieden und Gerechtigkeit zu suchen,

echte Vergebung und Liebe zu bieten,

gemeinsam als Schwestern und Brüder in Harmonie zu arbeiten

in der Fürsorge für die Opfer,

in dem Trost für die Notleidenden

und die zu trösten, die in Angst leben.

Der gesamte Text des Gebets (auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden (pdf)

Dieses Gebet stammt aus dem Heft "Telling Peace", das eine Sammlung von Materialien für die vier Adventssonntage anbietet. Die Texte und Lieder können jedoch auch in anderen Kontexten während des Jahres verwendet werden. Mehr...

 

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