EDITORIAL

Dirk Rademacher

 „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Dieser Ruf wird am Ostermorgen um die ganze Welt gehen, denn West- und Ostkirchen feiern in diesem Jahr wieder einmal gemeinsam das Osterfest. Er wird den Sieg der Hoffnung über die Enttäuschung, des Friedens über die Gewalt und des Lebens über den Tod verkünden.

Bei einer Tagung in der Nähe von München trafen sich im Februar dieses Jahres 90 Friedensarbeiterinnen und -arbeiter. Gemeinsam blickten sie zurück auf die vergangenen zehn Jahre, die geprägt waren vom Engagement für die Dekade zur Überwindung von Gewalt, und überlegten, was der deutsche Beitrag zur Friedenskonvokation 2011 und darüber hinaus sein kann. In einigen Bereichen gab es Fortschritte zu weniger Gewalt und mehr Frieden. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass Jugendliche im Vergleich zu vor zehn Jahren seltener Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung akzeptieren. Doch in anderen Bereichen sind die Nachrichten enttäuschend: Eine davon ist, dass Deutschland im Jahr 2009 70 % mehr Rüstungsgüter als vor fünf Jahren exportierte. Nach den USA und Russland sind wir die drittgrößten Exporteure des Todes. 

Dabei hatten wir noch vor 20 Jahren so sehr auf eine Welt mit weniger Waffen gehofft. 1989 fiel die Grenze zwischen West- und Ostdeutschland. Sie stand für die atomare Bedrohung des Lebens durch die NATO und den Warschauer Pakt. Nach langen Jahren war die „Friedliche Revolution“ an ihr Ziel gekommen: 1982 hatte eine Gruppe an der Leipziger Nikolaikirche mit Friedensgebeten begonnen. Bereits ein Jahr später dachte der Pastor Christian Führer ans Aufhören. Nur noch eine Handvoll Menschen kamen zu den Andachten, nachdem 1983 die Proteste gegen die Stationierung von atomaren Mittelstrecken in Westdeutschland gescheitert waren. Enttäuschung machte sich breit. Doch eine Frau sagte ihm: „Wenn wir hier aufgeben, dann gibt es überhaupt keine Hoffnung mehr.“ Und so machten die Verantwortlichen weiter, mit nur wenigen Betenden. Sechs Jahre später, am 9. Oktober 1989, war die Zeit erfüllt. 70.000 Bürgerinnen und Bürger der DDR versammelten sich nach den Friedensgebeten, um für Demokratie und Freiheit zu demonstrieren. Ihnen standen an diesem Abend 8000 Polizisten und Soldaten gegenüber. In den Krankenhäusern waren Blutkonserven aufgestockt worden. In der Zeitung hatten die Mächtigen angekündigt, die „Konterrevolution“ mit allen Mitteln zu beenden. Wie durch ein Wunder blieb der Marsch durch die Straßen in Leipzig aber friedlich: Mit allen Formen der Gewalt hatten die Polizisten gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten. Wenige Wochen später wurde die Grenze geöffnet – die Revolution des Friedens hatte über die Mächte der Gewalt gesiegt.

Diese großartige Erfahrung hat uns in Deutschland leider viel zu kurz geprägt – politische und ökonomische Herausforderungen verdrängten bald schon die Freude über das Geschehene. Das Osterfest ist ein guter Anlass, uns zu erinnern, wie kleine und unscheinbare Geschehnisse, wenn Gott es will, zu weltgeschichtlichen Veränderungen beitragen können. Daraus schöpfen wir Kraft, um uns den Rückschlägen zum Trotz für die Hoffnung, das Leben und den Frieden einzusetzen.

In Deutschland arbeiten viele Basisgruppen und Kirchen seit langem aktiv daran mit, Frieden und Gerechtigkeit mehr Geltung zu verschaffen. Sie alle wollen Anteil bekommen an der Konvokation. Um zu überlegen, was wir hier in Deutschland tun können, traf sich vor wenigen Tagen das Offene Forum zur Dekade zur Überwindung von Gewalt. Im Rahmen der Dekade tauschen sich hier bereits seit 2001 halbjährlich die Haupt- und Ehrenamtlichen der Friedensarbeit über ihre Planungen aus und verabreden gemeinsame Aktionen. Einer der nächsten Schritte auf dem Weg nach Kingston wird nun im Mai der 2. Ökumenische Kirchentag in München sein, zu dem 150.000 Menschen erwartet werden. Dort werden wir, zusammen mit internationalen Gästen, einen Tag lang unter der Überschrift „Frieden stiften“ Themen der Friedenskonvokation behandeln. Im Juni nimmt dann die Konsultation „Die Kirche und die (Ab-)Rüstungsfrage“ den oben angesprochenen weltweiten Verkauf von Waffen kritisch in den Blick. Und weil die Friedenskonvokation ja zum Ziel hat, ein weltweites Netzwerk von Friedensarbeiterinnen und -arbeitern zu bilden, werden die Zeitschrift „Plädoyer für eine ökumenische Zukunft“, die junge ökumenische Initiative MEET und die Evangelische Kirche in Deutschland die deutschen Teilnehmenden im Oktober 2010 einladen, sich bei einer Tagung kennen zu lernen, auszutauschen und erste Strukturen für ein solches Netzwerk zu schaffen.

Die Friedenskonvokation wird ihre volle Bedeutung zeigen, wenn sich die Basisgruppen und die Kirchengemeinden an ihren Themen beteiligen können. Im Spätsommer wird daher ein Flyer erscheinen, der darüber informiert, welche Materialien bis Mitte nächsten Jahres entstehen. Im Winter soll dann eine Sammlung von Ideen veröffentlicht werden, die Basisgruppen und Kirchengemeinden Lust macht, mit kleinen und großen Projekten Frieden in der Gemeinschaft, mit der Erde, in der Wirtschaft und zwischen den Völkern auszuprobieren. Für Sonntag, den 22. Mai 2011 wollen wir schließlich die Kirchengemeinden einladen, gemeinsam mit den Kirchen weltweit nach dem gleichen liturgischen Entwurf so Gottesdienst zu feiern wie die Teilnehmenden der Friedenskonvokation in Kingston auch. Anschließend, so regen wir an, könnten auf Friedensfesten die Projekte, die die Gruppen durchgeführt haben, und die dabei gemachten Erfahrungen der Gemeinde vorgestellt werden. Vielleicht werden so Gerechtigkeit und Friede Leitthemen der Gemeindearbeit.

Wenn die Friedenskonvokation dann noch ein Wort zum „gerechten Frieden“ finden würde, das die Welt nicht überhören kann und dem sich die Menschen und Kirchengemeinden sichtbar anschließen können, wäre das ein deutliches Zeichen für alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit engagieren. Und es wäre ein Zeichen dafür, dass uns der österliche Ruf: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ auch heute noch zurecht darin bestärkt, dass Tod und Gewalt durch Leben und Frieden überwunden sind. 

Dirk Rademacher
Koordinator bei der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Internationale Friedenskonvokation 2011 in Kingston/Jamaika

 

EXPERTENKONSULTATIONEN

Wie bereits in der vorherigen Ausgabe erwähnt, wird sich die Anzahl der Expertenkonsultationen langsam verringern, je näher die Friedenskonvokation rückt. Folgende Konsultationen sind augenblicklich geplant:

 

  • Gewalt in  den Medien und in der Unterhaltungsindustrie. Herausforderungen und Gelegenheiten (22.-25. Juni 2010) in Boston, USA. Aufgabe dieser Konsultation ist es, festzustellen, wie Medien und Unterhaltungsspiele Gewalt mit besonderer Bezugnahme auf die Entwürdigung von Personen, insbesondere Frauen, fördern, wie Medien und elektronische Spiele Gewalt noch fördern und die Art und Weise, in der Gewalt gefeiert und gewürdigt wird ebenso wie die Frage, ob die Darstellung von Gewalt in Medien und Unterhaltungsspielen therapeutisch wirken kann oder Gewalt noch verstärkt. [mehr...]
  • Ein orthodoxer Beitrag zu einer Theologie des gerechten Friedens. Die Entwicklung von Prinzipien für einen gerechten Frieden (18.-22. Oktober 2010) in Sednaya, Syrien. Friede ist eine göttliche Gabe. Als Christen bekennen wir Christus als das Alpha und Omega unserer Sehnsucht nach einer friedlichen Welt. Christliche Ethik orientiert menschliches Leben nicht nur auf Vermeidung der Sünde, sondern auch darauf, alle diese Ergebnisse einer unausgewogenen oder böswilligen menschlichen Handlung zu überwinden. Unserem Nachbarn Frieden zu wünschen, fordert uns gleichzeitig heraus, Gewalt und Ungerechtigkeiten im täglichen Leben ebenso wie in der globalen Welt abzulehnen. Das Bekenntnis „Christus ist unser Friede“ fordert uns Christen heraus, auf eine friedlichere Welt hinzuwirken. [mehr...]

 

Der „Hwacheon Aufruf“, Bericht der Konsultation „Atomwaffen, Nord-Ost-Asien und ausserdem: Revitalisierung der ökumenischen Bewegung“, ist nun erhältlich. Diese Konsultation setzte sich aus einer Gruppe von Personen zusammen, die sich verpflichtet haben, eine friedliche Welt ohne Atomwaffen aufzubauen und Wege zu suchen, die ökumenische Bewegung für ein dringendes Handeln hinsichtlich der atomaren Abrüstung zu stärken.

 

Für den vollständigen Text des Aufrufs von Hwacheon, hier klicken.

BESUCHE LEBENDIGER BRIEFE

Augenblicklich ist folgender Besuch geplant:

  • Tuvalu – 25.-27. Mai 2010 [mehr...]

Weitere Besuche werden sicherlich noch in diesem Jahr stattfinden. Die Entscheidung dafür richtet sich nach Bedarf, Konsultationen mit Kirchen, Kapazität für die Nacharbeit und bei früheren Besuchen gewonnenen Erfahrungen.

Sollten Sie weitere Informationen über bereits stattgefundene Besuche der Lebendigen Briefe wünschen, besuchen Sie bitte unsere Website.

 

Weitere Informationen zu den Lebendigen Briefen finden Sie auf unserer Website.

 

PLANUNG der IöFK

Photo: Nikos Kosmidis

Die Referenzgruppe der Dekade zur Überwindung von Gewalt und die IÖFK-Planungsgruppe kamen im Januar 2010 in Addis Abeba (Äthiopien) zusammen, um die Fortschritte der IÖFK-Planung zu überprüfen und ihr Know-how für die kommende Phase zu vermitteln und den Mitarbeiterstab für das jeweilige Tagesprogramm anzuleiten. Die Gruppen trafen sich parallel zu ECHOS, der Jugendkommission  des ÖRK, und hielten gemeinsame Sitzungen ab, um Sorgen und Hoffnungen bei der gemeinsame Arbeit für die Förderung einer gerechten und friedlichen Welt miteinander zu teilen sowie ein Engagement der Jugend auf allen Ebenen der Planung und Durchführung der IÖFK sicherzustellen. Es wurde beschlossen, vor der IÖFK eine zweitägige Jugendkonferenz unter dem Titel „Friede nach der Krise“ durchzuführen und ein Programm für Stewards zu organisieren. 

Nach den Sitzungen in Addis Abeba wurde dem Exekutivausschuss des ÖRK (Ende Februar 2010) über den Fortschritt der Planung berichtet. Die Pläne bezogen Zielvorstellungen und eine detaillierte Methodik für die verschiedenen Komponenten der Veranstaltung ein und wurden positiv aufgenommen. Ein wichtiger Beschluss wurde gefasst, nämlich den 22. Mai 2011 als eine Chance für alle Kirchen auf der ganzen Welt zu sehen, diesen Tag als einen Tag des Friedens zusammen mit der IÖFK zu feiern. Liturgische Materialien dafür sind in Vorbereitung und werden zu gegebener Zeit versandt. In der Zwischenzeit werden die Kirchen gebeten, dieses Datum vorzumerken und dieser bedeutenden Feier einen Platz in ihren Kirchenkalendern einzuräumen.

Die Redaktionsgruppe für die Ausarbeitung einer Erklärung zum gerechten Frieden traf sich vom 20.-26. März 2010 in Bogota, Kolumbien. Weitere Informationen über dieses Treffen können Sie bald auf unserer Website finden.

 

SCHWERPUNKT AFRIKA 2010

„Arbeiten und beten in der Hoffnung auf Frieden“ lautet das Thema des Schwerpunktes Afrika. Das letzte Jahr der Dekade zur Überwindung von Gewalt wird Kirchen, kirchenbezogene Gruppen und Werken, die auf dem afrikanischen Kontinent für den Frieden arbeiten, hervorheben, das ökumenische Bewusstsein sowie das Verständnis für Afrikas Arbeit zu stärken, die afrikanischen Kirchen in die Abfassung einer ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden einzubinden und Afrikas Beteiligung an der IÖFK-Planung zu verbessern. Die Allafrikanische Kirchenkonferenz (AAKK) bildet in diesem Unterfangen einen Schwerpunkt.

Klicken Sie hier, um eine Power Point Präsentation über die Aktivitäten von AAKK im Blick auf Frieden herunterzuladen.

Bitte hier klicken für weitere Informationen über den Schwerpunkt Afrika 2010.


TAGESORDNUNG DER IÖFK

Die Tagesordnung der IÖFK ist konzipiert, um den Höhepunkt der Dekade zur Überwindung von Gewalt zu feiern und das zukünftige Zeugnis der Kirchen für den Frieden zu inspirieren. Die IÖFK wird Errungenschaften hervorheben, gute Praktiken weiter ausbauen und eine Chance bieten, von anderen zu lernen.

Eine detaillierte Version des vorläufigen Programms kann hier heruntergeladen werden. Bitte beachten Sie aber, dass die vorliegende Tagesordnung den Status der Überlegungen und Planungen nur bis zum jetzigen Zeitpunkt berücksichtigt und noch Veränderungen unterworfen ist.

Nota bene: Die Anmeldefrist für die Workshop-Reihe Reasoning (Gedankenaustausch) ist bis zum 31. Mai 2010 verlängert worden.

Für weitere Informationen und das Formular für Vorschläge für einen Workshop, bitte hier klicken.

 

 

BIBLISCHE REFLEKTIONEN

Auszug aus einer von Pfrin. Bridget Ben-Naimah gehaltenen Morgenandacht während der 9. Vollversammlung der AAKK in Maputo (Mosambik)

Es gibt viele Gründe, warum das Leben der afrikanischen Frau zum Feiern aufruft. In vielen afrikanischen Kontexten ist ein Haus ohne eine Frau ein Unglück. Mit einer Frau im Hause leidet eine Familie in Afrika niemals Hunger. Mit einer Frau im Haus ist der Anstand gesichert. Mit einer Mutter im Haus ist immer ein offenes Ohr gesichert, das in Zeiten der Not und Verwirrung zuhört. Mit der Mutter im Haus erwartet man Ordnung; und mit der Mutter im Haus haben die Kinder eine Zukunft, denn eine Mutter will immer das Beste für ihre Kinder.

Die afrikanische  Frau wird für ihre Betriebsamkeit gelobt, denn sie hält die Familie in Zeiten des Krieges und der Konflikte zusammen; sie kümmert sich um die Pflege der Kranken, sie sucht den Frieden inmitten turbulenter Zeiten und hält die Kirche lebendig trotz der vielen Herausforderungen, die sich der Kirche heute stellen. (...) Dennoch ist bedauerlich, dass diese gleiche afrikanische Frau, deren Leben nach so viel Lob ruft, in der zitierten Bibelstelle aus dem Buch der Richter als Opfer von sexuellem Egoismus und sexueller Gewalt dargestellt wird, nur weil sie eine Frau ist. Das Buch der Richter beschreibt in Kapitel 19 ein Vorkommnis von geschlechtsspezifischer Gewalt, bei dem die Grundrechte von zwei Frauen aufgrund ihres Frauseins verletzt werden. [Mehr...]

Weitere Bibelstudien zur Gewalt gegenüber Frauen findet man unter http:/women.overcomingviolence.org

 

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