26.05.11 10:49 Alter: 284 days

Friedensbotschaft beendet Konvokation, aber die Arbeit fängt erst an

 

Der ÖRK-Generalsekretär dankte im abschließenden Plenum den jungen Freiwilligen für ihren Beitrag zur IöFK.

Die Teilnehmenden an der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation (IöFK) haben am Dienstag eine Botschaft veröffentlicht, in der sie über ihre gemeinsame einwöchige Erfahrung der Erkundung eines gerechten Friedens sprechen und den künftigen Weg skizzieren, bevor sie wieder in ihre Heimat und Kirchen in aller Welt zurückkehren.

 

Vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Kontexte und Prägungen, die zu berücksichtigen und zu respektieren waren, brachten die IöFK-Teilnehmenden gemeinsam ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass Krieg illegal werden sollte und dass Friede das Herzstück aller religiösen Traditionen sei.

 

In der Botschaft heißt als: „Gemeinsam mit Partnern anderer Religionen haben wir erkannt, dass Friede ein Grundwert aller Religionen ist und dass die Verheißung von Frieden allen Menschen gilt, egal, welcher Tradition sie angehören und worauf sie ihr Leben gründen. Durch eine Intensivierung interreligiöser Dialoge versuchen wir, in diesen Fragen Gemeinsamkeiten mit allen Weltreligionen zu finden.“

 

Die Teilnehmenden erkannten an, dass jede Kirche und jede Religion sich von einem unterschiedlichen Standpunkt aus auf den Weg zum gerechten Frieden macht. Einige sehen persönliche Bekehrung und Moral als Ausgangspunkt. Andere betonen die Notwendigkeit gegenseitiger Unterstützung und Korrektur innerhalb des Leibes Christi, während wiederum andere die Kirchen ermutigen, sich zusammen mit sozialen Bewegungen zu engagieren und öffentlich Zeugnis abzulegen.

 

„Jeder dieser Ansätze hat seine Vorzüge“, heißt es in der Botschaft, die von einem siebenköpfigen Botschaftsausschuss unter dem Vorsitz von Bischof Ivan Abrahams von der Methodistischen Kirche des südlichen Afrika entworfen wurde; „sie schließen sich nicht gegenseitig aus. De facto sind sie untrennbar miteinander verbunden. Selbst in unserer Vielfalt können wir mit einer Stimme sprechen.“

 

Er vertraue darauf, so Abrahams, dass die IöFK-Teilnehmenden sich in dieser Botschaft wiederfinden würden. „Diese Konvokation ist in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein auf dem Weg zum gerechten Frieden“, erklärte er. „Dem Wort ‚Ernte’ kam auf dieser Konvokation zentrale Bedeutung zu. Diese Botschaft richten wir an uns selbst, an unsere Kirchen und ihre Partnereinrichtungen und an die Welt, die so geschunden und zerbrochen ist, die Gott aber so sehr liebt.“

 

Die Botschaft erkenne auch an, dass die Kirche den Weg zum gerechten Frieden oft behindert habe. „Wir erkennen, dass Christen und Christinnen sich in von Gewalt, Ungerechtigkeit, Militarismus, Rassismus, Kastenwesen, Intoleranz und Diskriminierung geprägten Systemen häufig mitschuldig machen. Wir bitten Gott, dass er uns unsere Sünden vergeben und uns verwandeln möge in Streiter und Streiterinnen für Gerechtigkeit und gerechten Frieden.“

 

Des Weiteren geht die Botschaft auf die vier Themen der Konvokation ein: Friede in der Gemeinschaft, Friede mit der Erde, Friede in der Wirtschaft und Friede zwischen den Völkern. Sie zeigt die Schwerpunkte der einzelnen Themen auf und macht deutlich, wie diese sich in ihrem ethischen und theologischen Ansatz beim Streben nach gerechtem Frieden ergänzen. 

„Viel mehr als ein Text ”


Die IöFK-Botschaft erfasse nur einen Teil der wahrhaft historischen Veranstaltung, die die IöFK gewesen sei, erklärte Pastor Dr. Walter Altmann, der Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), als er die Botschaft der Friedenskonvokation im Namen des ÖRK entgegennahm.

 

„Was Sie mit nach Hause nehmen, ist sehr viel mehr als nur ein Text. Es ist eine tiefe ökumenische Erfahrung“, sagte er. „Die Fragen, über die wir diskutiert haben, sind so komplex, dass sie sicher weitere Arbeit, Reflexion und Aktion erfordern werden.“

 

Das Ende der ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt markiere auch einen neuen Anfang, fügte er hinzu. „Wenn wir zurückkehren, wird jeder und jede von uns zu einer lebendigen Botschaft der IöFK.“

 

Mehr als 60 der rund 1000 IöFK-Teilnehmenden äußerten sich zum Entwurf der Botschaft und ihre Beiträge wurden bei der Abfassung der endgültigen Fassung berücksichtigt.

 

Die Diskussion über die Botschaft leitete Metropolit Prof. Dr. Gennadios von Sassima vom Ökumenischen Patriarchat, einer der stellvertretenden Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses. „Diese Botschaft gehört Ihnen, und uns, uns allen“, betonte er. „Und am Ende dieser Konvokation wird sie in alle Welt hinausgetragen werden.“

 

Nach der Lesung der endgültigen Fassung der Botschaft im Plenum erhoben sich die IöFK-Teilnehmenden spontan und klatschten Beifall. Der Generalsekretär des ÖRK, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, bekundete seinen Stolz auf die IöFK-Teilnehmenden, die sich selbst und gegenseitig zu neuen Dimensionen des Verständnisses und der Entschlossenheit herausgefordert hätten.

 

„Wir sind aufgerufen, eins in unserem Zeugnis zu sein“, sagte er. „Wir sehen auch, dass der Weg zum gerechten Frieden uns eint. Dies ist eine Gabe für uns alle und wir werden sie gut zu nutzen wissen. In dieser letzten Woche gab es viele Zeichen für Ihre Entschlossenheit. Manchmal müssen wir kämpfen. Manchmal müssen wir fühlen, dass es nicht so einfach ist.“

 

In der Abschlusssitzung der Konvokation wurden auch die rund 95 jugendlichen IöFK-Teilnehmenden für ihr Engagement gelobt. Sanna Eriksson, Vertreterin der Kirche von Schweden, ergriff das Wort im Namen der Jugendlichen, die während der ganzen Konvokation Aktivitäten geplant und sich intensiv und profiliert beteiligt hatten.

 

„Wir freuen uns, dass die jungen Menschen an dieser Tagung in so vielen unterschiedlichen Rollen teilgenommen haben“, sagte sie. „Unser Dank gilt all den Kirchen und Organisationen, die junge Menschen als ihre Vertreter und Vertreterinnen nach Jamaika gesandt haben.“

 

Die Botschaft bringt auch den tiefen Dank der IöFK-Teilnehmenden für die herzliche Aufnahme durch die Gastgeber in Jamaika und der ganzen karibischen Region zum Ausdruck.

 

Pastor Gary Harriott, der Generalsekretär des Kirchenrats von Jamaika, betonte, die ganze karibische Region sei sehr stolz und aufgeregt gewesen, die IöFK in Jamaika ausrichten zu dürfen. „Es war sehr viel mehr als nur die Planung einer Veranstaltung. Wir haben einige sehr wichtige Beziehungen herstellen können und wir hoffen, dass diese auch nach der IöFK fortbestehen werden“, sagte er.


Auch wenn die Schlussbotschaft nun vorliege, so gehe die Arbeit der IöFK jetzt doch erst richtig los, erklärte Prof. Dr. Fernando Enns, der Vorsitzende des Vorbereitungsausschusses der IöFK. „Wir fangen gerade erst an zu ahnen, welche Möglichkeiten wir haben, wenn wir uns wirklich gegenseitig respektieren. Die Kirche soll nicht zu den gesellschaftlichen Randgruppen sprechen; die Kirche ist dort, wo die Randgruppen sind.“

 

Die IöFK-Teilnehmenden sollten ihre Erfahrungen feiern, so Enns, dürften sich damit aber nicht zufrieden geben. „Unser Weg muss weiter gehen“, sagte er. „Sie und ich, wir werden uns gegenseitig Rechenschaft abverlangen. Die Kirche nimmt entweder den Aufruf zum gerechten Frieden an oder aber sie ist nicht die Kirche.“

 

Vollständiger Text der IöFK-Botschaft

 

IöFK-Website:

www.gewaltueberwinden.org

 

IöFK-Fotogalerien

 

IöFK-Videos

 

Fotos der Veranstaltung in hoher Auflösung können kostenlos angefordert werden unter: photos.oikoumene.org