05.09.11 14:30 Alter: 182 days

Kirchen im Pazifik seit 50 Jahren engagiert für Frieden und Gerechtigkeit

 

Von links nach rechts: PCC-Generalsekretär Pastor Fe'iloakitau Kaho Tevi; Faautu Talapusi, ÖRK-Programmreferentin für Jugendfragen; John Doom, ÖRK-Präsident für die Region Pazifik; Präsident Oscar Temaru, ÖRK-Generalsekretär Tveit; Pastor Taaroanui Maraea, Präsident der Protestantischen Kirche von Maohi; und Pastor François Pihaatae, PCC-Programmbeauftragter für verantwortungsvolle Führung.

„Im Pazifik findet man viele herzliche und starke Ausdrucksformen des Friedens“, sagte der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, in einer an die Pazifische Kirchenkonferenz (Pacific Conference of Churches, PCC) gerichteten Ansprache anlässlich der 50-Jahrfeier ihres Bestehens, die in der vergangenen Woche in Samoa stattfand.

 

„Die Region und der Ozean, der Sie alle verbindet, tragen diesen wundervollen Namen, der Frieden und Ruhe beschreibt“, so Tveit. „So vieles in Ihrer Natur und in Ihrer Lebensweise enthält Zeichen des Lebens mit vielen Merkmalen des Friedens wie beispielsweise der Fülle des Lebens, der Harmonie zwischen Mensch und Natur und dem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben.“

 

Tveit räumte gleichzeitig ein, dass diese Ruhe durch die jüngste Unterdrückung der Kirche in Fidschi, durch Tahitis unerfüllten Wunsch nach einer vollständigen Unabhängigkeit, durch das Vermächtnis der in der Region durchgeführten Atombombenversuche sowie durch den aufgrund des Klimawandels steigenden Meeresspiegel und das Versinken einiger Inseln gestört wird.

 

Der ÖRK-Generalsekretär lobte die PCC für ihre Arbeit der vergangenen 50 Jahre, in deren Verlauf sie der globalen Kirche diese Themen nahe gebracht hat, und ermutigte sie gleichzeitig, sich weiterhin an der regionalen und globalen ökumenischen Bewegung zu beteiligen.

 

„Sie haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Frieden und Gerechtigkeit gelenkt, als Sie uns alle dazu aufgerufen haben, gemeinsam 'nein’ zu sagen: Nein zu Atomversuchen, nein dazu, Ihr Land für etwas zu benutzen, das jemand nicht zuhause tun würde, weil es gefährlich, ja tödlich ist, nein zur Förderung von Sicherheit und Macht auf der Basis von Waffen, die in der Lage sind, sämtliches Leben auf unserem Planeten zu zerstören und deren Erprobung alleine schon unannehmbare Risken für Mensch und Natur mit sich bringt.“

 

Außerdem nannte er die Gründung der PCC im Jahre 1961 eine wichtige Initiative, welche die „Einheit und Verantwortlichkeit der Kirchen“ gestärkt und zu einem „gemeinsamen Zeugnis für und Gerechtigkeit und Frieden“ geführt habe.

Gerechtigkeit und Friede als zentrales Anliegen der Kirchen


Tveit besuchte die Region kurz nachdem die Regierung von Fidschi die Jahreskonferenz der Methodistischen Kirche von Fidschi und Rotuma untersagt hatte und dann noch härter durchgriff und – mit Ausnahme des Sonntagsgottesdienstes – jegliche Kirchentreffen verbot.

 

In der PCC-Tagung appellierte Präsident Oscar Temaru aus Tahiti an die Kirchen, sein Land in seinem Kampf gegen Frankreich zu unterstützen.

 

„Früher war mein Land frei, und mein Volk bestimmte über sein eigenes Schicksal. Das hat sich im 19. Jahrhundert geändert, als die europäischen Entdecker bei uns anlegten.“ Temaru erklärte: „Diese Unterdrückung begann 1880 und geht bis auf den heutigen Tag weiter.

 

„Zu lange schon wird das Volk von Maohi Nui ungerecht behandelt“, so Temaru. Tahiti ist Teil von Französisch-Polynesien, einem Protektorat Frankreichs.

 

„Hier handelt es sich nach wie vor um Kolonialisierung und schlimme Ungerechtigkeit, nicht nur gegenüber Einzelpersonen, sondern gegenüber jedem in Maohi Nui“, sagte Tveit in einem Interview mit PINA, der Nachrichtenagentur der Pazifischen Inseln, „und ein Ende ist noch nicht abzusehen.“

 

„Gerechtigkeit und Friede sollten im Zentrum aller Kirchenaktivitäten stehen“, so der Generalsekretär. „Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, aber man kann auch nicht an der Gerechtigkeit arbeiten, wenn kein Friede herrscht.“

 

Tveit versprach, der ÖRK werde in Solidarität mit den Pazifischen Kirchen auf die Probleme der Völker von Maohi Nui hinweisen.

 

Während seines Aufenthaltes in Samoa traf sich Tveit mit dem Staatsoberhaupt von Samoa, Tui Atua Tupua Tamasese Efi, und mit führenden Persönlichkeiten aus den ÖRK-Mitgliedskirchen in Samoa, der Methodistischen Kirche von Samoa und der Kongregationalistisch-Christlichen Kirche in Samoa.

 

Die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag fanden von Dienstag, dem 30. August, bis Sonntag, dem 4. September, statt. In der Begrüßungszeremonie wurden traditionelle Tänze aufgeführt und Geschenke ausgetauscht, es wurde Inselmusik gespielt und gefeiert.

 

Zu den offiziellen Sprechern bei diesem Anlass zählten Tveit sowie Pioniere der ökumenischen Bewegung im Pazifik, führende Regierungsvertreter aus Samoa und der Präsident von Tahiti. Tveit sprach am Mittwoch, den 31. August.

 

Betont wurde die Notwendigkeit einer noch größeren Einheit unter den Christen und der gemeinsamen Bereitschaft zum Dialog mit Vertretern anderer Religionen.

 

„Wir sind dazu berufen, in Christus eins zu sein“, sagte Tveit gegen Ende seiner Rede. Und weiter erläuterte er, dieser Aufruf, eins zu sein, beziehe sich auf „unsere Solidarität mit einer leidenden Welt … auf Christi Identifizierung mit den Opfern von Sünde ... auf unseren Glauben daran, dass Veränderung und Vergebung möglich sind, wenn man für Reue und Buße offen ist.“

 

Ungekürzter Text der Rede des ÖRK-Generalsekretärs

 

Website der Pazifischen Kirchenkonferenz

 

Mehr zum Thema:

 

Golden anniversary of the Pacific Conference of Churches (Goldener Jahrestag der Pazifischen Kirchenkonferenz) (ÖRK-Pressemitteilung vom 1. September 2011)

 

ÖRK nennt Verbot von methodistischer Tagung durch Regierung von Fidschi „inakzeptabel“ (ÖRK-Pressemitteilung vom 26. August 2011)