14.10.11 12:20 Alter: 143 days

Kirchen starten Monitoring-Programm für Gewaltopfer in Kolumbien

 

John Nduna, der Generalsekretär des ACT-Bündnisses, trifft im November 2010 während eines Besuchs in Kolumbien mit Vertriebenen in Soacha zusammen. Foto: Sean Hawkey/ACT

Nach den offiziellen Statistiken gibt es in Kolumbien 3 Millionen Menschen, die während des langjährigen bewaffneten Konflikts in ihrer Heimat von ihrem Land und Eigentum vertrieben wurden. Menschenrechtsorganisationen beziffern die Zahl der „Vertriebenen“ jedoch auf knapp 5 Millionen.

 

Ein vom Ökumenischen Rat der Kirchen und anderen Akteuren unterstütztes neues  Monitoring-Programm ist eingerichtet worden, um sich dieser menschlichen Tragödie anzunehmen.

 

Im Dezember 2009 meldete Kolumbiens Generalstaatsanwalt 2520 Fälle von Zwangsvertreibungen bei einer Gesamtzahl von 35 665 Straftaten, zu denen sich paramilitärische Kräfte bekannt hatten. Landesweit stieß man auf 2388 Gruben, in denen 2091 Leichen gefunden wurden. Davon wurden nur 796 an die betroffenen Familien zurückgegeben.

 

Guerillagruppen – FARC und ELN – verübten auch Massaker und willkürliche Anschläge und sind verantwortlich für die Vertreibung von Bauern, Folter und sexuelle Gewaltanwendung. Allein im Departamento Arauca gab es 2009 194 Tötungsdelikte.

 

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos zeigt Interesse an einer Beilegung der humanitären Krise und der Unterstützung von Opfern interner bewaffneter Konflikte. Die Regierung verfolgt eine Wirtschaftspolitik der Öffnung des Landes für ausländische Investitionen. Neu entstandene bewaffnete Gruppen – die so genannten „BaCrim“, bei denen es sich zumeist um von Paramilitärs gebildete Verbrecherbanden handelt – versuchen, die Kontrolle über das Land zu gewinnen und ausländische Unternehmen abzuschrecken.

 

Das wichtigste Merkmal des Monitoring-Programms besteht darin, dass es auf Gewaltlosigkeit setzt und versucht, lokale und internationale Anstrengungen zu unterstützen, die eine Verhandlungslösung für den Konflikt in Kolumbien anstreben. Das Programm setzt sich für die Rückgabe von Land an Vertriebene, die Verteidigung der Menschenrechte und die Herstellung von Gerechtigkeit und Frieden im Dialog ein und will die Präsenz internationaler ökumenischer Beobachter/innen in spezifischen Gebieten für eine Periode von jeweils drei Monaten fördern.

 

Das Projekt wird unterstützt vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Lutherischen Weltbund und dem ACT-Bündnis. Die Koordinierung übernimmt Pastor Chris Ferguson von der Vereinigten Kirche Kanadas, einer Kirche, die über umfassende ökumenische Erfahrungen verfügt und das internationale Begleitprogramm in Palästina und Israel mit konzipiert hat (EAPPI).

 

An der ersten Tagung der Erweiterten Internationalen Referenzgruppe mit Kirchenverantwortlichen in Kolumbien nahmen der Ökumenische Rat der Kirchen, das ACT-Bündnis, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der Lutherische Weltbund, der Lateinamerikanische Kirchenrat (CLAI), das Regionale Ökumenische Zentrum für Anwaltschaft und Dienst (CREAS), KAIROS Kanada und der Nationalrat der Kirchen Christi in den USA teil.

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Kolumbien

 

Lesen Sie auch: ÖRK ruft zu friedlicher Beilegung des Konflikts in Kolumbien auf (ÖRK-Pressemitteilung vom 1. März 2011)