22.08.11 10:01 Alter: 196 days

Ökumenisches Solidaritätsteam besucht Myanmar und Flüchtlingslager

 

Von links nach rechts: Pastorin Rothangliani Chhangte (Amerikanische Baptistenkirchen in the USA), Pu No Than Kap (Minister für Chin-Angelegenheiten der Region Sagaing in Myanmar), Bischof Isaac Mar Philoxenos (Syrische Mar-Thoma-Kirche von Malabar) und Gloria Kalpona Sarker (Nationaler Kirchenrat Bangladesh).

Ein ökumenisches Solidaritätsteam von Vertretern/innen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stattete Myanmar vom 4. bis 9. August 2011 einen Besuch ab, der Teil des Engagements des ÖRK war, Kirchen in Konfliktsituationen zu begleiten. Zuletzt hatte ein Team "Lebendiger Briefe" des ÖRK das Land Ende 2010 besucht.

 

Zu den fünf Teilnehmenden des internationalen ökumenischen Solidaritätsteams gehörten Mitglieder des ÖRK-Zentralausschusses und asiatischer Kirchen aus Nachbarländern sowie ÖRK-Mitarbeitende.

 

Die Mitglieder des Solidaritätsteams erhielten Gelegenheit, die soziale und wirtschaftliche Wirklichkeit kennen zu lernen, in der die Menschen unter der neuen politischen Ordnung in Mynamar leben.

 

Vor dem Besuch in Myanmar besuchten die Delegationsmitglieder ein Flüchtlingslager in Thailand mit Hunderten von myanmarischen Bürgern und Bürgerinnen, die aus den Konfliktgebieten in Myanmar fliehen mussten und die Grenze nach Thailand überquerten, wo sie jetzt auf die Gewährung von Asyl in anderen Ländern warten.

 

Pastorin Rothangliani Chhangte, ÖRK-Zentralausschussmitglied und Vertreterin der Amerikanischen Baptistenkirchen (ABC) in the USA, bemerkte, die internationale Gemeinschaft müsse sich der Probleme in Myanmar und insbesondere des Schicksals der Flüchtlinge, die Asyl in einem Drittland suchten, stärker bewusst werden.

Solidarität mit Flüchtlingen

 

Auf der letzten Zentralausschusstagung hatte Chhangte die Notwendigkeit ökumenischer Begleitung und Unterstützung für die Menschen in Myanmar, die Binnenvertriebenen, Flüchtlinge und Arbeitsmigranten/innen aus Myanmar betont.

 

Nach ihrer Rückkehr aus Myanmar hielt sie fest, dass „ es dringend notwendig ist, den Registrierungsprozess in Flüchtlingslagern in Thailand wieder in Gang zu bringen. In den überfüllten Lagern entlang der thailändisch-birmesischen Grenze leben mehr als 150 000 Flüchtlinge“.

 

„2005 gestattete die thailändische Regierung dem UNHCR, Menschen, die in ein Drittland umgesiedelt werden wollten, zu registrieren.“ Allerdings, fügte sie hinzu, „war dies eine einmalige Aktion und seither hat die thailändische Regierung Gesuche zur Wiedereröffnung des Registrierungsprozesses abgelehnt. Die USA haben zusammen mit einigen europäischen Ländern, Kanada und Australien den Großteil der Flüchtlinge aufgenommen.“

 

Chhangte koordiniert das Engagement der ABC für Menschen aus Myanmar in den USA. „Gegenwärtig gibt es über die ganzen USA verteilt mehr als 100 Gemeinden der Amerikanischen Baptistenkirchen, die Migranten und Migrantinnen aus Myanmar in beträchtlicher Zahl aufgenommen haben,“ so Chhangte. „Mehr als 80 000 Flüchtlinge aus Myanmar sind seit 2006 in die USA eingewandert“. 

 

Semegnish Asfaw, die für den ÖRK die Teambesuche der Lebendigen Briefe koordiniert, erklärte, die Mitglieder des Solidaritätsteams hätten festgestellt, „ dass junge Menschen und Frauen angesichts der gegenwärtigen Lage in ihrem Land und trotz der jüngsten politischen Veränderungen keine große Hoffnung in ihre Zukunft haben. Nach all den Jahren der Konflikte und des politischen Stillstands im Land haben viele Jugendliche das Gefühl, dass ihre Zukunft eher düster aussieht.“

 

Das Team hörte Berichte über Menschenhandel, insbesondere mit Frauen und jungen Mädchen. Hunderte von Frauen seien in den letzten Jahren zu Zwangsheiraten oder Zwangsarbeit ins Ausland verkauft worden.

 

Bei einem Treffen mit Kirchenverantwortlichen in Myanmar erfuhren die Delegationsmitglieder, dass „Myanmar sich seit den letzten allgemeinen Wahlen im November 2010 langsam zu einem demokratischeren Staat entwickelt. Aber die gegenwärtige politische Tendenz sieht so aus, dass Veränderungen nur in einem sehr langsamen Prozess eingeführt werden, was den Menschen, die lange genug gelitten haben, nicht reicht.“ 

Kirchen als Friedensstifter

 

Dr. Mathews George Chunakara, Direktor der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten des ÖRK, berichtete, die Kirchenverantwortlichen in Myanmar seien „besorgt über das Wiederaufflammen der Konflikte in mehreren Staaten, in denen die Christen einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen“.

 

George erklärte: „Über die Jahre hinweg haben die Kirchen in Myanmar sich für Frieden und Versöhnung eingesetzt und die positive Wirkung ihres Zeugnisses zeigt sich in Waffenstillstandsvereinbarungen in Gebieten wie dem Staat Kachin, wo die ethnische Gruppe der Kachin, die von der sogenannten Unabhängigen Armee und den Unabhängigkeitsorganisationen der Kachin vertreten werden, jahrelang mit den Streitkräften Myanmars im Konflikt standen. Die Waffenstillstandsverhandlungen sind seit Ende Juni jedoch zu einem Stillstand gekommen, was eine ernsthafte Bedrohung für jegliche vernünftige politische Veränderungen im Land darstellt.“

 

Leitende Kirchenvertreter/innen berichteten, dass in Kachin mehrere 1000 Menschen infolge des in den vergangenen Wochen ausgebrochenen Konflikts vertrieben worden seien. Es bestehe ernste Nahrungsmittelknappheit und Krankheiten wie Malaria breiteten sich aus.

 

Der vollständige Bericht über den Teambesuch wird in Kürze verfügbar sein.

 

Lesen Sie auch: Gebet für den Wandel in Myanmar (ÖRK-Feature, 2. Dezember 2010)

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Myanmar