15.02.08 16:50 Alter: 4 yrs

Kenia: Hoffnungsträger und internationaler Testfall

 

Geneva  Switzerland

Dr. Agnes Abuom: "Teil des Problems war, dass die Führungsrolle in Kenia nur von Politikern gefüllt wurde, während sich Dorfälteste und religiöse Führung in den Hintergrund drängen ließen."

"Wenn man den Zusammenbruch der Demokratie in Kenia zulässt, raubt man Afrika einen der wenigen Hoffnungsträger" sagte der Generalsekretär der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz Pfarrer Dr. Mvume Dandala heute in Genf. Denn Kenia habe in den vierzig Jahren seit seiner Unabhängigkeit immer wenigstens ein Minimum an demokratischen Beteiligungsmöglichkeiten aufrechterhalten. Der in Nairobi tätige südafrikanische Methodist sprach auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mitgliedern des ÖRK-Zentralausschuss über die Gewaltausbrüche nach den Wahlen in Kenia.

 

Dr. Agnes Abuom von der Anglikanischen Kirche von Kenia nannte das Geschehen in ihrem Heimatland "in vieler Hinsicht eine Jugendrebellion". Sie beschrieb die Frustration der jungen Kenianer darüber, dass trotz regelmäßiger Wahlen und einem Verfassungsreferendum vor zwei Jahren immer noch keine verantwortliche Regierungsführung vorherrscht.

 

Graham Gerald McGeoch, angehender Pfarrer der Kirche von Schottland, der Anfang des Monats in einem Team "Lebendiger Briefe" Kenia besuchte, erzählte von einer Begegnung mit solchen Jugendlichen: "Sie waren sehr offen und gaben zu, dass sie am Tag vorher an Gewalttaten in der Nachbargemeinde beteiligt waren." Gleichzeitig seien diese jungen Menschen zum Gespräch bereit gewesen: "Sie wollen sich einbringen und sind frustriert."

 

Eden Grace, eine US-Amerikanerin die seit 2004 für die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker) in Kenia arbeitet, sieht diese Frustration im Zusammenhang mit wachsender sozialer Ungleichheit durch die wirtschaftliche Globalisierung. Kenia habe in den letzten Jahren beachtliche Wachstumsraten erzielt, aber der neue Reichtum sei nur in wenigen Händen gelandet. Daher sei Kenia "ein Testfall dessen, was überall auf der Welt passieren kann, wenn junge Menschen diese Frustration erleben."

 

Den Kirchen kommt in dieser Situation eine besondere Rolle zu, so Dandala: "Wir erwarten die Ergebnisse der Annan-Mission mit angehaltenem Atem, aber die Lösung kann nicht nur politisch sein." McGeoch richtete die Bitte der kenianischen Kirchen aus, die weltweite Ökumene solle sie mit ihren Gebeten begleiten - und mit Beratung und Unterstützung für den langwierigen Versöhnungsprozess vor Ort.

 

Feature: "Schafft Frieden jetzt," appelliert internationale ökumenische Delegation an führende Politiker in Kenia

 

Mehr Informationen über den ökumenischen Solidaritätsbesuch (auf Englisch)

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