ÖRK-Solidaritätsbesuch zur Unterstützung indonesischer Christen bei der Überwindung von Gewalt

Die indonesische Provinz Nusa Tenggara Timur hat nach dem Unabhängigkeitsvotum 1999 in Osttimor eine beträchtliche Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen aufnehmen müssen. Foto © UNHCR/N.Ng/Juni 2006
Die in der Friedensarbeit engagierten Kirchen in Indonesien - ein Land, das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Ausbrüchen ethnischer und religiöser Konflikte konfrontiert gewesen ist und Binnenvertriebene wie auch ausländische Flüchtlinge integrieren musste - erhalten Unterstützung durch den Solidaritätsbesuch einer vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) entsandten internationalen ökumenischen Delegation.
Die Delegationsmitglieder (siehe untenstehende Liste) werden sich über friedensfördernde Projekte indonesischer Christen informieren und über einschlägige Erfahrungen in ihren eigenen Kirchen in Australien, den USA, Deutschland, Korea und dem Sudan berichten.
Nach einer allgemeinen Einführung in der indonesischen Hauptstadt Jakarta wird sich die Delegation in zwei Gruppen aufteilen, die verschiedene Regionen besuchen.
Indonesien hat die weltweit größte muslimische Bevölkerung und gilt traditionell als tolerant. Dennoch ist es nach 1998 in Zentralsulawesi und auf den Molukken zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen gekommen. Die Besuche vom 18.-20. Juli in Poso (Zentralsulawesi) und Ambon (Molukken), die auch eine Begegnung mit muslimischen Wortführern einschließen, bieten Gelegenheit, mehr über den Umgang mit dem Radikalismus zu erfahren.
Von Sulawesi aus wird die erste Gruppe nach Kupang, Hauptstadt der indonesischen Provinz Nusa Tenggara Timur, an der Westspitze Timors weiterreisen. Die Provinz hat nach dem Unabhängigkeitsvotum 1999 in Osttimor eine beträchtliche Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen aufnehmen müssen.
Die zweite Gruppe wird in dieser Zeit Westpapua besuchen. Spannungen zwischen der traditionellen christlichen Mehrheit und zugewanderten Muslimen von anderen indonesischen Inseln haben dort laut einem unlängst veröffentlichten Bericht der Internationalen Krisengruppe "in beiden Religionsgemeinschaften neue, exklusivistische Gruppen entstehen lassen". Der ÖRK hat in den vergangenen Jahren auch wiederholt seine Besorgnis angesichts der Verletzung der Menschenrechte der Urbevölkerung Papuas geäußert.
Am 24. Juli werden beide Gruppen wieder in Jakarta eintreffen und zu einer Evaluierungssitzung mit dem Vorstand der Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien (PGI) zusammenkommen, die den Besuch ausrichtet.
Die ökumenische Delegation wird als "Lebendige Briefe" nach Indonesien entsandt, um die Solidarität der ÖRK-Gemeinschaft, der 349 Kirchen in aller Welt angehören, zum Ausdruck zu bringen. Bis 2010 werden jährlich in allen Teilen der Welt mehrere Besuche Lebendiger Briefe durchgeführt werden. Sie stehen im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt und sollen die Internationale ökumenische Friedenskonvokation im Jahre 2011 vorbereiten.
In Indonesien, das unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde den vierten Platz einnimmt, gibt es auch die meisten ÖRK-Mitgliedskirchen, insgesamt 27.
Gruppe nach Poso und Kupang:
- Pfrin. Vanessa D. Sharp, Theologin; Vorstandsmitglied der Presbyterianischen Gesundheits- und Wohlfahrtsvereinigung (PHEWA), die das Presbyterianische AIDS-Netz repräsentiert; Ko-Vorsitzende des Vorstands von SisterLove Inc. (Atlanta, USA/Südafrika); Presbyterianische Kirche (USA)
- Yoonsuk Sol, Theologe; Generalsekretär des Nationalverbandes der PCK-Jugend; Presbyterianische Kirche von Korea, Südkorea
Stab:
- Pfr. Gomar Gultom, Referent für Diakonie, Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien
- Maria Baile Rubio, Projektassistentin für Ökumenische Solidarität and Regionale Beziehungen, ÖRK
Gruppe nach Ambon und Westpapua:
- Pfr. Prof. James Haire, Theologieprofessor; Exekutivausschussmitglied der Asiatischen Christlichen Konferenz; Direktor des Zentrums für öffentliche und kontextuelle theologische Forschung und des Australischen Zentrums für Christentum und Kultur (Canberra, Australien); Unionskirche in Australien
- Dr. Monika Lude, Soziologin; Referentin für ökumenisch-missionarisches Lernen, Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS); Koordinatorin einer internationalen EMS-Friedenskampagne (2004-2006), ehemalige ökumenische Mitarbeiterin in Salatiga, Indonesien (Erwachsenenbildung und Gendererziehung); Deutschland
- Beatrice Mukhtar-Mamuzi, Lehrerin; ehrenamtliche Mitarbeiterin in der christlichen Bildungs- und Jugendarbeit sowie für Musikunterricht; Bischöfliche Kirche des Sudan
Stab:
- Norita Yudiet Tompah, Referentin für Koinonia, Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien
- Dr. Mathews George Chunakara, ÖRK-Referent für Asien
- Peter Williams, ÖRK-Koordinator für Bild und Grafik
Mehr Informationen über die Dekade zur Überwindung von Gewalt
Mehr Informationen über die Besuche Lebendiger Briefe
ÖRK-Mitgliedskirchen in Indonesien (auf Englisch)



