03.11.08 15:38 Alter: 3 yrs

"Lebendige Briefe" lernen kirchliche Versöhnungsarbeit in Liberia, Sierra Leone und Südafrika kennen

 

Die Baptistenkirche "Regent Road" in Freetown wurde während dem Bürgerkrieg stark beschädigt. Während dem Wiederaufbau wurden die Gottesdienste im Keller der Kirche abgehalten. Foto: Peter Williams/ÖRK

In Liberia, Sierra Leone und Südafrika haben die Kirchen einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung zwischen Bevölkerungsgruppen geleistet, zwischen denen jahrzehntelang Gewalt herrschte. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat zwei internationale ökumenische Teams entsandt, die die drei Länder in den nächsten zwei Wochen besuchen werden.

 

Die Kirchenvertreter/innen (Liste siehe unten) aus Afrika, Nordamerika, Asien, der Karibik und dem Nahen Osten werden als "Lebendige Briefe" entsandt, um die Solidarität der ÖRK-Gemeinschaft, die insgesamt 349 Mitgliedskirchen zählt, zum Ausdruck zu bringen. Bis 2010 finden weltweit jedes Jahr mehrere solcher Teambesuche im Rahmen der vom ÖRK ausgerufenen Dekade zur Überwindung von Gewalt statt, um einen Beitrag zur Vorbereitung auf die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation zu leisten, die für 2011 geplant ist.

 

Liberia und Sierra Leone, 2.-8. November

 

Sowohl Liberia als auch Sierra Leone wurden in den 1990er Jahren von einem zerstörerischen Bürgerkrieg heimgesucht. In Liberia kehrten wieder Friede und Stabilität ein, nachdem der Präsident und ehemalige Kriegsfürst Charles Taylor 2003 abgesetzt und Ellen Johnson-Sirleaf Ende 2005 zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Im benachbarten Sierra Leone wurde der Bürgerkrieg 2002 offiziell beendet.

 

Der ÖRK hatte die Lage in Sierra Leone und Liberia während der Kriegsjahre genau verfolgt und das Leid der Menschen aus erster Hand kennen gelernt. Nach Beendigung der Gewalt unterstützte der ÖRK die Kirchen und andere ökumenische Partner und leistete Not- und Wiederaufbauhilfe.

 

Bei ihrem Besuch in den zwei westafrikanischen Ländern werden die Lebendigen Briefe vor allem versuchen, sich ein Bild davon zu machen, wie die Menschen in diesen Ländern mit den Kriegserinnerungen fertig werden. Die ökumenische Delegation wird sich über die Friedensinitiativen informieren, die die Nationalen Kirchenräte beider Länder in Absprache mit anderen Glaubensgemeinschaften, insbesondere der muslimischen Mehrheit in Sierra Leone, ergriffen haben.

 

Das Besuchsprogramm umfasst sowohl Begegnungen mit dem Präsidenten von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma, und anderen Regierungsvertretern/innen als auch mit Menschen, die praktische Friedensarbeit in lokalen Projekten leisten, wie z.B. in einer Einrichtung in Kenema im Osten des Landes, wo Kinder, die nach dem Krieg auf der Straße lebten, vom Kirchenrat in Sierra Leone unterstützt werden.

 

Mitglieder der ökumenischen Delegation:

    • Bischof Dr. Robert Aboagye-Mensah (Delegationsleiter), Leitender Bischof der Methodistischen Kirche in Ghana
    • Pfarrerin Dr. Angélique Walker-Smith, Nationaler Baptistenbund USA
    • Anam Gill, Presbyterianische Kirche in Pakistan
    • James Macharia, Presbyterianische Kirche von Ostafrika, Kenia

Dr. Aruna Gnanadason, ÖRK-Direktorin für Planung und Integration, wird sich der Delegation in Sierra Leone anschließen.

 

Südafrika, 5.-12. November

 

Der Besuch der Lebendigen Briefe in Südafrika ist insofern bedeutsam, als die Kirchen des Landes und der südafrikanische Kirchenrat bei der Überwindung der Ideologie und des Systems der Apartheid und der durch sie ausgeübten Gewalt eine wichtige Rolle gespielt haben. Nach den ersten freien und demokratischen Wahlen im Jahr 1994 haben die Kirchen ihre Arbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung fortgesetzt.

 

Südafrika gab den Anstoß zu dem ÖRK-Programm, das die Dekade zur Überwindung von Gewalt ins Leben rief. Die Namen der Orte in den Provinzen Gauteng (Soweto, Alexandra Township) und Kwazulu Natal (Durban und Pretoria), die das Team der Lebendigen Briefe besuchen wird, erinnern an diesen historischen Kampf für eine gerechte und friedliche Gesellschaft.

 

Die Mitglieder der ökumenischen Delegation werden mit leitenden Kirchenvertreter/innen zusammentreffen und Gemeinschaften besuchen, die sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, wie die Organisation "Love in Action", die in Mabopane, Pretoria, ein Zentrum betreibt, das gesellschaftlich "ausrangierte" Menschen aufnimmt und Bildungsarbeit für Straßenkinder und Gefangene leistet.

 

Mitglieder der ökumenischen Delegation:

    • Bischof Dr.Robert Aboagye-Mensah (Delegationsleiter), Leitender Bischof der Methodistischen Kirche in Ghana
    • Pfarrerin Dr. Angélique Walker-Smith, Nationaler Baptistenbund USA
    • Anam Gill, Presbyterianische Kirche in Pakistan
    • James Macharia, In Afrika entstandene Kirchen, Kenia

Die Besuche werden vom Liberianischen Rat der Kirchen, dem Kirchenrat von Sierra Leone und dem Südafrikanischen Rat der Kirchen ausgerichtet und organisiert.

 

Weitere Informationen über die Besuche der Lebendigen Briefe

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Liberia (auf Englisch)

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Sierra Leone (auf Englisch)

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Südafrika (auf Englisch)