Nach Pakistanbesuch: Sorge um christliche Minderheit

Während des Besuchs in einer Gemeinde, in der vorwiegend Ziegeleiarbeiter leben, lernte das Team Christen und Christinnen kennen, deren wirtschaftliche Lage als Sklaverei beschrieben werden kann. Foto: Henrik Hansson/ÖRK
Die Terroranschläge im indischen Mumbai und ein Abkommen des Internationalen Währungsfonds, das negative Folgen für die Armen hat, prägten den Solidaritätsbesuch eines "Lebendige Briefe"-Teams des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Pakistan vom 24. November bis 1. Dezember.
Das ökumenische Team, bestehend aus Kirchenvertretern/innen aus Armenien, den USA und den Niederlanden, war nach Pakistan gekommen, um sich über die Rolle der Kirche in einer multireligiösen Gesellschaft, die mit Extremismus und Intoleranz zu kämpfen hat, zu informieren und die Christen und Christinnen in Pakistan der Solidarität der Mitglieder des ÖRK, dem weltweit 349 Kirchen angehören, zu versichern.
"Lebendige Briefe" sind kleine, internationale ökumenische Teams, die weltweit Orte besuchen, an denen sich Christen bemühen Gewalt zu überwinden. Im Rahmen der ÖRK-Dekade zu Überwindung von Gewalt finden bis 2010 weltweit Besuche von "Lebendige Briefe"-Teams statt. Sie bereiten die Internationale ökumenische Friedenskonvokation 2011 in Jamaika vor.
Nach Ansicht des Teams haben die Terroranschläge in Mumbai, Indien, die zeitlich mit dem "Lebendige Briefe"-Besuch zusammenfielen, und die anschließenden Schuldzuweisungen, die die Krise nach Pakistan brachten, bereits vorhandene Spannungen zwischen den verschiedenen Religionen im Land weiter verschärft.
Zusätzlich würde eine kürzlich von der pakistanischen Regierung mit dem Internationalen Währungsfond (IMF) getroffene Vereinbarung über einen 7,6 Milliarden US-Dollar schweren Kredit für Pakistan Subventionen, von denen besonders die armen Menschen des Landes profitieren, stark beschränken.
Das "Lebendige Briefe"-Team erfuhr auch, dass Pakistans Stellung an vorderster Front im Krieg gegen den Terror verheerende Folgen für die christliche Bevölkerung im Land hat, da diese als verlängerter Arm des Westens gesehen werden. So machen auch grenzüberschreitende Militäroperationen der von der US-amerikanischen Armee geführten Truppen in Afghanistan das Leben der pakistanischen Christen noch gefährlicher als sonst.
Das internationale ökumenische Team traf sich mit den Bischöfen der Kirche von Pakistan sowie mit ökumenischen Gruppen von Jugendlichen, Frauen und Geistlichen, um über die Situation der christlichen Bevölkerung im Land und die Auswirkungen bestimmter drakonischer Gesetze für Minderheiten und andere schwache Bevölkerungsgruppen zu sprechen.
Besonders betroffen ist die christliche Bevölkerung von den Blasphemie-Gesetzen und den so genannten "Hudud"-Strafen, die ihren Ursprung in der Scharia haben und z.B. bei Ehebruch zur Anwendung kommen. Diese richten sich unfairerweise besonders gegen die christliche Bevölkerung. Durch das Fehlen eines ordnungsgemäßen Rechtssystems in den Dörfern und Stammesgebieten sowie durch extremistische religiöse Sichtweisen und Intoleranz entsteht für die christliche Bevölkerung eine schwierige Lebenssituation.
Während des Besuchs in einer Gemeinde, in der vorwiegend Ziegeleiarbeiter leben, lernte das Team Christen und Christinnen kennen, deren wirtschaftliche Lage als Sklaverei beschrieben werden kann. Doch trotz der furchtbaren Lebensbedingungen, brachten diese Menschen dem Team eine Gastfreundschaft entgegen, die dieses als "kostbares Geschenk" empfand.
Das Team sprach auch mit der Pakistanischen Menschenrechtskommission, einer führenden zivilgesellschaftlichen Organisation. Diese präsentierte eine sehr kritische Bewertung der Menschenrechtssituation im Land und verwies vor allem auf Minderheiten und die schwierigen Situationen, die ihnen im täglichen Leben begegnen.
Bei einem Treffen des Teams mit muslimischen Religionsführern wurde deren Verständnis des globale Kontexts und die christlich-muslimischen Beziehungen in Pakistan diskutiert.
Detailliertere Informationen über den Besuch in Pakistan
Blog einiger Teammitglieder (auf Englisch)
ÖRK-Mitgliedskirchen in Pakistan (auf Englisch)



