Ungerechtigkeit und Gewalt die Stirn bieten, um zur Einheit zu finden
Wohlstand und Besitz vermitteln eine „falsche Lesart“ menschlicher Werte, so drückte es der Generalsekretär des ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen) Pastor Dr. Olav Fykse Tveit kürzlich auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag aus. „Eigentum und Besitz sind dann – und nur dann – von Nutzen, wenn sie uns dabei helfen, als die Menschen zu leben, zu denen Gott uns berufen hat,“ sagte Tveit bei einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Dresden, der vom 1.-5. Juni 2011 stattfand.
Alle zwei Jahre kommen mehr als 100.000 Christinnen und Christen in Deutschland zusammen, um gemeinsam Gottesdienst zu halten, zu feiern, zu diskutieren und ihr Bekenntnis zu bekräftigen. In Dresden wurden mehr als 7.000 internationale Teilnehmende gezählt.
Tveit sprach über ein Bibelwort aus dem Matthäusevangelium: “Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein” (Matthäus 6:21). Das war auch das Motto des diesjährigen Kirchentages, an dem mehr als 120.000 Menschen teilnahmen.
“Es ist ein Text für Gesellschaften und für Bündnisse, die meinen, ihre Angst schwinde, je mehr sie besitzen, je größer ihr Waffenarsenal und ihre Sicherheit sind” so Tveit. “Wenn wir zulassen, dass unser Streben nach Sicherheit unseren Blick einengt, dann sind wir nicht frei, um an Gottes Auftrag in der Welt mitzuwirken. Und das hat weitreichende Konsequenzen für Gerechtigkeit, Frieden, Gleichberechtigung und Einheit.”
Tveit traf auf dem Kirchentag ein, nachdem er vom 17. bis 25. Mai in Kingston, Jamaika, an der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation (IöFK) teilgenommen hatte. Die Kovokation, ausgerichtet vom ÖRK, derKaribischen Konferenz der Kirchen und dem Kirchenrat von Jamaika, bildete den feierlichen Abschluss der 2001 in Berlin vom ÖRK ins Leben gerufenen Dekade zur Überwindung von Gewalt.
In Jamaika hatten viele Menschen den rund 1000 Teilnehmenden von ihren schmerzhaften Erfahrungen mit Unterdrückung, Gewalt und Ungerechtigkeit berichtet, erzählte Tveit.
Zuvor hatte er auf einer Kirchentagsveranstaltung, in der es um die IöFK ging, betont, wie wichtig es für Christen bei ihrer Suche nach Einheit sei, Gerechtigkeit und Frieden in den Mittelpunkt zu stellen.
“Wenn dies nicht das Herzstück der ökumenischen Bewegung und der Kirchen ist, dann können wir kein glaubwürdiges Zeugnis vor der Welt ablegen,” sagte er.
In der Bibelarbeit sagte Tveit: “Wir dürfen über den Abschnitt im Matthäusevangelium nicht in einer ausschließlich geistlichen Weise sprechen, denn wir wissen, dass Nachhaltigkeit und Überleben für zu viele Menschen in unserer Welt drängende Wirklichkeit sind.”
“Wohlstand und Besitz und die damit einhergehende Macht trennen Menschen und Gemeinschaften und bieten eine falsche Lesart menschlicher Werte. Es geht vielmehr um eine universelle Botschaft, die uns aufruft, Materialismus als Messgröße für Wert oder Sicherheit zu verwerfen” unterstrich er.
Nur wenn wir „erfolgreich Ungerechtigkeit, Gewalt, Habgier, Hochmut, Korruption und alles, was sonst noch die Lebensfülle jedes einzelnen Menschen bedroht, die Stirn bieten”, dann leben wir wahrhaft in Gemeinschaft und bringen die Einheit innerhalb der Kirche sichtbar zum Ausdruck, so Tveit.
Website des evangelischen Kirchentags:
www.kirchentag.de
Website der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation:
www.gewaltueberwinden.org




