Ökumenische Hilfe für Frieden in Kolumbien
Nach einem halben Jahrhundert, das von zivilen Konflikten, Geld aus dem Drogenhandel und Hegemonie der Konzerne geprägt war, ist Kolumbien ein Land mit Zehntausenden Toten und der zweitgrößten Anzahl von Binnenvertriebenen (etwa vier Millionen) weltweit.
Jetzt lechzen das Land und seine Bevölkerung nach Gerechtigkeit und Frieden.
Das Ziel einer friedliche Lösung für diesen langjährigen Konflikt war der Hauptantrieb für den Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), eine Erklärung abzugeben, die eine Verstärkung des bestehenden ökumenischen Engagements in dem Land fordert.
Laut Erklärung würden „Indigene, Afro-Kolumbianer, Bauern, Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Führungspersonen aus Kirche und Gesellschaft, die sich für Landrückgabe und Gerechtigkeit einsetzen“ Opfer von unberechenbaren Morden, Drohungen, willkürlichen Festnahmen und Verhaftungen seitens staatlicher und nichtstaatlicher Akteure; dies seien einige der schmerzvollsten Konsequenzen des Konfliktes in Kolumbien.
„Es ist wichtig, dieses Dokument auf unser Schwerpunktengagement für Frieden und Gerechtigkeit zu beziehen, besonders wenn wir uns jetzt auf die Internationale ökumenische Friedenskonvokation vorbereiten“, die im Mai in Kingston (Jamaika) stattfinden wird, sagte Pastor Dr. Walter Altmann aus Brasilien, der Vorsitzende des Zentralausschusses, zur Einordnung der Erklärung in das Leben des ÖRK.
Die Erklärung soll die aktuellen Friedensbemühungen stärken und „Solidarität und Gebete für das kolumbianische Volk, insbesondere die Familien derer, die getötet wurden, verschwunden sind oder vertrieben wurden, [ausdrücken] und all denen, die kolumbianische Friedensinitiativen zu ihrer Priorität gemacht haben, tiefste Anerkennung aussprechen“.
Erklärungen des ÖRK-Zentralausschusses sind ein offizieller Weg des ÖRK, sich mit einer gemeinsamen Stimme zu äußern.
„Kirchen sind nicht irgendeine Lobbygruppe, die sich für dieses oder jenes Thema stark machen“, sagte Pastor Aaro Rytkönen, Direktor der Advocacy-Abteilung des finnischen Werkes Finn Church Aid und Mitglied des Zentralausschusses. „Kirchen sind der Leib Christi, der sich für ein gemeinsames Anliegen einsetzt.“
„Wenn eine Kirche auf der Basisebene eine Problematik feststellt, dann muss dieses Thema von den Kirchen auch auf globaler Ebene behandelt werden“, erklärte er.
Als Ausdruck der ökumenischen Unterstützung für die kolumbianischen Kirchen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und die vor Ort tätigen ökumenischen Entwicklungsorganisationen ruft der ÖRK in dieser Erklärung die kolumbianische Regierung auf, die notwendigen politischen und rechtlichen Veränderungen voranzutreiben, „um Untersuchungen, Verurteilung und Bestrafung“ derjenigen sicherzustellen, die „für Menschenrechtsverletzungen gegenüber Zivilisten“ verantwortlich seien.
Außerdem beinhaltet das Dokument die Aufforderung an die US-amerikanische Regierung, den „Plan Colombia“ sofort zu beenden. Diese Initiative hat während des letzten Jahrzehnts Millionen Dollar in das Land gepumpt, die weitgehend an das Militär, die Polizei und die Drogenbekämpfung flossen.
Um die Unterstützung für bereits bestehende ökumenische Initiativen zum Friedensaufbau in Kolumbien zu stärken, regte der Zentralausschuss die gemeinsame Ausrichtung einer Internationalen Kolumbienkonsultation mit dem Lateinamerikanischen Kirchenrat (CLAI) an, um „die Möglichkeiten für ein Begleitprogramm und/oder ein ökumenisches Forum zur Unterstützung der Kirchen und Menschen in Kolumbien und ihrer Friedensarbeit auszuloten“.
Bei der Skizzierung der Thematik für die Mitglieder des Zentralausschusses wurde Bezug genommen auf den Bericht der UN-Menschenrechtskommissarin (UNHCHR) 2010, in dem kolumbianische Menschenrechtsaktivisten tiefe Besorgnis über „die zunehmenden Drohungen und die Stigmatisierung verschiedener Kategorien von Menschenrechtsaktivisten“ ausdrückten.
Der UNHCHR-Bericht erwähnt Fälle von Tötungen, Drohungen, willkürlichen Festnahmen und Verhaftungen, Sexualstraftaten, Einbrüchen in Privatwohnungen und Büros, illegale Überwachung durch Geheimdienste und Informationsdiebstahl durch „Mitglieder von rechtswidrigen bewaffneten Gruppen, die aus der paramilitärischen Demobilisierung und Guerillagruppen hervorgingen, insbesondere der FARC, und, in manchen Fällen, durch Mitglieder von Sicherheitsdiensten“.
Die Erklärung wendet sich auch an die Staatengemeinschaft und ruft die Regierungen auf, „die Auswirkungen von Handelsbestimmungen auf die Menschenrechte zu prüfen, bevor sie ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien unterzeichnen, und eine nachhaltige Politik zu verfolgen, die besonderes Augenmerk auf den Schutz der Bauern, der indigenen Bevölkerung, der Afro-Kolumbianer und der Gewerkschafter legt, weil deren Rechte durch die in Kolumbien tätigen transnationalen Konzerne stark beeinträchtigt werden“.
Vollständiger Text der Erklärung
Weitere Informationen zur Tagung des Zentralausschusses




