28.02.11 16:10 Alter: 1 yrs

Frieden und Gerechtigkeit im Fokus des ÖRK-Zentralausschusses

 

Gruppenfoto der Zentralausschuss-Tagung

Auf der Tagung des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die vom 16.-22. Februar 2011 in Genf stattfand, standen Gerechtigkeit und Frieden im Fokus der Diskussionen und bildeten den Rahmen für Planung und Auswertung der Programme des Rates.

 

Der Zentralausschuss beschäftigte sich insbesondere mit den bevorstehenden internationalen Versammlungen, die dem Thema des „gerechten Friedens“ gewidmet sein werden: die Internationale ökumenische FriedenskonvokationDOV News FrenchDOV News French im Mai dieses Jahres in Kingston (Jamaika) und die nächste ÖRK-Vollversammlung im Oktober 2013 in Busan (Südkorea).

 

Gerechtigkeit, Frieden und christliche Einheit waren die zentralen Themen in den Eröffnungsansprachen des Generalsekretärs des ÖRK und des Vorsitzenden des Zentralausschusses.

 

Der ÖRK-Zentralausschuss ist ein Leitungsgremium, das die 349 Mitgliedskirchen vertritt und ungefähr alle 18 Monate tagt.

Schwerpunkte und Wegweiser

 

Für die Vollversammlung in Busan wurde ein Thema angenommen, das als Gebet formuliert ist: „Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden”.

 

Zu den zentralen Punkten der Tagung des Zentralausschusses gehörten gemeinsame Andachten und Bibelstudien, Aufrufe zu neuen und kreativen Anstrengungen im Streben nach christlicher Einheit und in den Geschlechterbeziehungen innerhalb der kirchlichen Strukturen, Erklärungen zu öffentlichen Angelegenheiten sowie die praktischen Einzelheiten der Genehmigung des ÖRK-Haushalts.

Ein Netzwerk von Beziehungen

 

In ihrer Meditation am Eröffnungstag betonte Pastorin Dr. Ofelia Ortega, die ÖRK-Präsidentin für Lateinamerika und die Karibik, in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums vor der versammelten Gemeinde: „Unsere ganze Existenz ist ein Netz von Beziehungen, in dem es Wechselwirkung, Verbindung und Interdependenz braucht, um den Frieden zu erlangen. Es sind unsere Kirchen, die dieses Beziehungsnetz aufbauen und erhalten müssen.“

 

Ein anderer ÖRK-Präsident, Erzbischof Anastasios von Tirana und Durrës, der orthodoxe Primas von Albanien, erklärte in seiner Meditation: „Friede ist nicht etwas, was ein Mensch allein durch eigene Kraft erreichen kann. Friede bleibt ein göttliches Geschenk.“ Er fügte hinzu: „Friede ist eine Gabe, die uns erst gegeben wird, wenn jeder Einzelne den Wunsch hegt, sie auch zu empfangen.“

 

Später wurde in einer Diskussion über „die Gemeinschaft von Frauen und Männern“ anerkannt, dass Frauen in ÖRK-Leitungsgremien bislang immer in der Minderheit waren. Prof. Dr. Magali do Nascimento Cunha von der Methodistischen Kirche in Brasilien argumentierte: „Die volle Beteiligung von Frauen muss zum einen zahlenmäßig erreicht werden, zum anderen aber auch beinhalten, dass Frauen die Möglichkeit haben, das Wort zu ergreifen, zu handeln, zu leiten, als Partnerinnen respektiert zu werden, die gesehen und gehört und deren Gaben anerkannt und gewürdigt werden.“

 

Der Zentralausschuss empfahl, dass 50 Prozent der Vollversammlungsvertreter und -vertreterinnen Frauen sein sollten. Allerdings ist dies seit 1981 ein nie erreichtes Ziel. Auch für die Vertretung junger Menschen, Laien und orthodoxer Delegierter wurden Mindestprozentsätze vorgeschlagen.

 

Pastorin Jennifer Leath von ECHOS, der ÖRK-Jugend-Kommission, bemerkte, dass „es sich hierbei um eine Gratwanderung handelt“, denn gelte als wichtig, dass der ÖRK „mit Autorität“ spreche, aber die Kirchenleitenden, deren Stimmen das meiste Gewicht hätten, seien im Allgemeinen bereits älter und männlich. Der ÖRK versuche, so fuhr sie fort, Wege zu finden, „wie die prophetische Stimme der Jugendlichen zu Gehör gebracht werden“ könne.

 

Pater Gosbert Byamungu, ein Beobachter der römisch-katholischen Kirche und Co- Vorsitzender der gemeinsamen Arbeitsgruppe mit dem ÖRK, betonte, dass es im Lauf der Jahrzehnte ökumenische Fortschritte gegeben habe. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, so erklärte er, „sind Misstrauen und Zwietracht“ unter den verschiedenen Traditionen des Christentums „durch Vertrauen und Freundschaft ersetzt worden“. Heute gebe es Fortschritte in den Beziehungen zwischen ökumenischen Einrichtungen, weltweiten evangelikalen Organisationen und pfingstkirchlichen Vereinigungen.

Gespräche mit leitenden Kirchenvertretern aus dem Irak

 

Hochrangige Vertreter mehrerer irakischer Kirchen, zu denen ein Patriarch und vier Erzbischöfe gehörten, kamen während der Zentralausschusstagung zu Gesprächen mit internationalen Kirchenverantwortlichen zusammen. In einer öffentlichen Anhörung erklärte Erzbischof Mar Georgis Sliwa von der Heiligen Apostolischen und Katholischen Assyrischen Kirche des Ostens, am dringlichsten sei es im Irak, „die wahren Gründe für die Gewalt“ zu untersuchen und „auf eine Stärkung der Rolle des Staates hinzuarbeiten“, damit die Sicherheit der Menschen unabhängig von ihrer Religion und ethnischen Zugehörigkeit gewährleistet werden könne.

Erklärungen zu öffentlichen Angelegenheiten

 

Der Zentralausschuss nahm mehrere Erklärungen, Protokollpunkte und Entschließungen zu Irak und dem Nahen Osten, Libyen, Kolumbien, Australien, Migration und zum Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung an. Ferner äußerte er scharfe Kritik am Veto der USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, durch das die Verurteilung des Siedlungsbaus in Palästina blockiert wurde. In einem Protokollpunkt würdigte der Zentralausschuss auch das vor 25 Jahren begonnene Engagement des ÖRK zur Stärkung der Kirchen in Afrika in ihrem Kampf gegen die HIV/AIDS-Pandemie, das darauf abzielt, diese Kirchen HIV-kompetent zu machen; diese Arbeit wurde mit Begeisterung bekräftigt.

Billigung des Haushalts und Antrag auf Mitgliedschaft

 

Inmitten fluktuierender Devisenmärkte nahm der Zentralausschuss einen Haushaltsentwurf für 2011 mit Gesamteinnahmen von 30,5 Millionen Schweizer Franken, Gesamtausgaben von 32,9 Millionen Schweizer Franken und einem Nettorückgang der Vermögenswerte und Rücklagen um 2,4 Millionen Schweizer Franken an.

 

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELKJHL) ist ihrem Ziel einer Mitgliedschaft in der Gemeinschaft des ÖRK mit der Annahme ihres Antrags durch den Zentralausschuss einen Schritt näher gekommen. Während andere ÖRK-Mitgliedskirchen nun zwecks Konsensbildung zur Mitgliedschaft dieser Kirche konsultiert werden, wird die ELKJHL auf regionaler wie auch globaler Ebene bereits am Leben des ÖRK teilnehmen. Eine Entscheidung zur Vollmitgliedschaft wird auf der Tagung des Zentralausschusses im September 2012 getroffen werden.

 

(*)Theodore A. Gill ist Chefredakteur von WCC Publications und ordinierter Pastor der Presbyterianischen Kirche (USA).

 

Weitere Informationen zur Tagung des Zentralausschusses

 

Fotos von der Tagung