19.02.11 15:38 Alter: 1 yrs

Madagaskar: Auf der Suche nach Frieden

 

Pastor Lala Rasendrahasina, Präsident der Kirche Jesu Christi in Madagaskar

Das Ansehen Madagaskars wurde durch die politische Krise 2009 schwer geschädigt. Die Kirchen vor Ort ihrerseits helfen, den Frieden zu bewahren.


Vor zwei Jahren geriet Madagaskar, der idyllische Inselstaat mit einigen der unberührtesten Landschaften der Welt, in eine politische Krise, die das Land spaltete und die Einheit der Kirche ernsthaft bedrohte.


Rund 45 Prozent der Bevölkerung Madagaskars sind Christen, etwa zu gleichen Teilen protestantisch und katholisch.


Laut Aussagen von Kirchenleitenden ist eine Veränderung erst möglich, wenn Fehler anerkannt werden und man sich in Richtung Versöhnung und Gerechtigkeit bewegt. Dies würde Frieden bringen, sagen sie.


Die Kirchen seien nicht untätig geblieben, sagte Pastor Lala Rasendrahasina, Präsident der Kirche Jesu Christi in Madagaskar und Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der diese Woche in Genf tagt.


Rasendrahasina wurde im Zuge des Machtwechsels, nach dem Abgang des ehemaligen Präsidenten Marc Ravalomanana und seiner Regierung im März 2009, brutal zusammengeschlagen und kurzzeitig vom Militär inhaftiert.


„Die Kirche hat das Land stets auf verschiedene Art und Weisen unterstützt, um einen Weg aus der Krise zu finden und Frieden zu bewahren“, sagte Rasendrahasina. „Wir haben seit März 2009 nie aufgehört, für das Land zu beten.“


„Die Kirche musste zwischen den Politikern vermitteln, aber aufgrund verschiedener Faktoren war das Ergebnis nicht immer so erfolgreich, wie wir es uns erhofft hatten“, erklärte er.


Die Lage in Madagaskar ist ein Beispiel für das Engagement der Kirchen weltweit in Situationen politischer Feindseligkeiten und Gewalt sowie wenn Menschen sich nach Frieden und Versöhnung sehnen. Mit genau dieser Dynamik befasst sich auch die vom ÖRK veranstaltete Internationale ökumenische Friedenskonvokation, die vom 17. bis 25. Mai 2011 in Kingston, Jamaika, stattfindet.


Zwischen Politik und Religion zu stehen, ist für die Kirche in Madagaskar nichts Neues. In den vergangenen Jahren habe der Nationale Kirchenrat bei der Suche nach den entscheidenden Faktoren der aktuellen Krise lobenswerte Initiativen unternommen, erklärte Rasendrahasina.


Kürzlich organisierte der Kirchenrat ein Seminar zu Frieden und Versöhnung, um die Menschen in Madagaskar durch die Lehre über die Vergebung zu ermutigen und ihnen zu helfen, den Frieden wiederherzustellen und zu bewahren.


Diese Initiative wurde trotz zahlreicher „Verfolgungen“ der Kirche während der politischen Gewalt der letzten Jahre unternommen.


Doch auch in diesen Zeiten erfuhren die Christen in Madagaskar starke Unterstützung in ihren friedensstiftenden Bemühungen, unter anderem durch die Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, den Ökumenischen Rat der Kirchen und den Rat für Weltmission.


„Diese Unterstützung hat der Kirche Jesu Christi in Madagaskar Kraft gegeben“, erklärte Rasendrahasina.


„Die Kirchen in Madagaskar werden die Menschen auch weiterhin über moralisch und ethisch korrektes Verhalten und Denken aufklären, da in der Krise viele Wertvorstellungen zerstört oder mit Füßen getreten wurden“, schloss er.

 

ÖRK-Mitgliedskirchen in Madagaskar

 

Mehr über die Zentralausschusstagung

 

Fotos von der Tagung