Fokus 2005: Asien - "Gemeinschaften des Friedens für alle"

Fokus 2005: Asien - "Gemeinschaften des Friedens für alle"

Dekaden-Schwerpunkt 2005: Gemeinschaften des Friedens für alle

Das Thema der 12. Generalversammlung der Christlichen Konferenz von Asien (CCA) ist gleichzeitig auch das Thema des Asien Fokus 2005 der Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV). Als der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der die Dekade initiiert hat, entschied, den Fokus des Jahres 2005 auf Asien auszurichten, fanden die Mitarbeiter der CCA, dass das Thema Gemeinschaften des Friedens für alle als Teil des Hauptthemas "Kirchen für Frieden und Versöhnung" der Dekade gesehen werden kann; dies jedoch mit einem klaren asiatischen Akzent. Das Thema widerspiegelt den Ruf und das Engagement für eine Aufgabe und eine Vision angesichts der religiösen und ethnischen Vielfalt Asiens und dem ständigen Streben nach gesellschaftlicher Harmonie. In Asien kann man fortan nicht mehr romantisch das Erbauen einer einzigen Gemeinschaft anstreben, sondern eher das Zusammenleben verschiedener Gemeinschaften, die durch ihre gemeinsame Vision von Frieden für alle zusammengehalten werden.

Warum zieht es die CCA vor, eher von Gemeinschaften als von Gemeinschaft zu reden? Warum ist es eine inklusive Gemeinschaft, die wir in Asien erreichen möchten?

Ich denke, es wird weder eine einheitliche Gemeinschaft noch eine dominante Gruppe geben, die alle andern umfassen oder in sich aufnehmen kann. Es würde sich vielmehr um eine Gemeinschaft verschiedener Gemeinschaften handeln, deren unterschiedliche Rassen, Farben, Kulturen, Sprachen und Religionen als Ursprung unserer kulturellen Traditionen und unserer geistlichen Quellen geschätzt und gefeiert würden. Verschiedenheit wird nicht mehr als Grund oder als Alibi für Feindseligkeiten zwischen Menschengruppen gesehen werden. Im Gegenteil, wenn jede Gruppe damit beginnt, die andere wertzuschätzen und zu respektieren, so wird die Vielfältigkeit zum Ausgangspunkt für einen echten und bedeutungsvollen Dialog zwischen den verschiedenen Parteien werden können. In der Wertschätzung dieser Vielfalt werden wir asiatischen Christen die Andern nicht länger als Todfeinde, als die zum ewigen Tod Verurteilten, oder als die armen, zu bekehrenden Heiden sehen. Wir würden sie vielmehr als Brüder, Schwestern oder von Gott geliebte Partner sehen, denen Gott ebenfalls Wahrheiten offenbart hat, von denen wir Dinge über das Leben und das Zusammenleben lernen können und in denen wir das Abbild Gottes sehen können.

Des Weiteren würde eine inklusive Gemeinschaft von Gemeinschaften in Asien eine Gemeinschaft sein, die trotz aller Unterschiede gemeinsam für ein gerechteres und friedlicheres Asien arbeiten würde. Zusammen könnten wir mehr Kraft schöpfen und unsere Solidarität aufbauen, indem wir unsere verschiedenen kulturellen und geistlichen Mittel für die Ganzheit und die Fülle des Lebens jedes Menschen einsetzen.

Das Thema widerspiegelt Asiens besondere Realität der Vielfältigkeit - bei der wir nicht länger von Uniformität, sondern von Pluriformität sprechen sollten. An der Stelle einer einzigen Gemeinschaft stellen wir uns also mehrere Gemeinschaften vor, die durch die Vision von Frieden für alle zusammen verbunden sind. Der Gedanke des Aufbaus von Gemeinschaften überzeugt uns von der Notwendigkeit unseres Engagements, damit Frieden in Verschiedenheit der Gemeinschaften möglich ist.

In einem grossen Kontinent wie Asien, ist die Suche nach Vergebung und Frieden in Mitten der verschiedensten Formen von Gewalt gegenwärtig: körperliche, strukturelle, persönliche, zwischenmenschliche, gemeinschaftliche und subtile Formen. Es gibt Formen von Gewalt, die man in den meisten Regionen Asiens antreffen kann. Es handelt sich dabei um wirtschaftliche Gewalt, Globalisierung, religiösen Fundamentalismus, ethnische Konflikte, massive Armut, Ungerechtigkeit und Korruption, Militarisierung, Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierung und Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, um nur einige davon zu nennen.

Im Rahmen des Dekaden-Schwerpunkts Asien werden wir die Beteiligung der Kirchen an der Gewalt hervorheben müssen. Diese hat verschiedene Formen: sie befindet sich in der Theologie oder in Lehren, die die Gewalt rechtfertigen, im Schweigen oder der passiven Haltung gegenüber der Gewalt, oder auch im offenen Bündnis mit den herrschenden Verhältnissen.

Über das Aufzählen der verschiedenen Gewaltsituationen hinaus, können wir diese Halbzeit der Dekade dazu benützen, frühere und gegenwärtige Friedensinitiativen in Asien hervorzuheben. Dies können Bemühungen mit oder ohne DOV-Etikette sein, die innerhalb oder ausserhalb der Kirche oder der ökumenischen Bewegung stattgefunden haben, die jedoch zur Bildung von Gemeinschaften des Friedens für alle in der Region beigetragen haben; denn die Friedensarbeit ist nicht das Monopol der Kirche oder der ökumenischen Bewegung. Diese Einsicht fordert die Kirche und die ökumenische Bewegung in der Tat heraus, ihren Freundes- und Mitarbeiterkreis zu erweitern, und sich an den Aufruf zu erinnern: "Habt Salz bei Euch und habt Frieden untereinander!" (Mark. 9:50)

Hope S. Antone
Exekutivsekretärin für Glauben, Mission und Einheit, CCA
Koordinatorin für den DOV Fokus in Asien.

 

Ziel des jährlichen Dekade-Fokus

  • Kirchen auf regionaler und lokaler Ebene in ihrem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit ermutigen - und mit ihnen solidarisch sein.
  • Internationale und regionale Situationen und die Herausforderungen verstehen - und über Klischees hinausgehen.
  • Die Friedens- und Versöhnungsarbeit feiern, die in der Region geleistet wird - und dabei Frieden und Gerechtigkeit hochhalten.


Mit dem jährlichen Schwerpunkt soll eine spezifische Region für ein Jahr in den Vordergrund gerückt werden. Dazu wird mit den Kirchen der betreffenden Region ein tragendes Thema ausgearbeitet, mit dessen Hilfe der DOV-Studienprozess vorangebracht und spezifische Erfahrungen und Lektionen aus dieser Region ausgetauscht werden können.