Jahresfokus 2008: Pazifische Inseln


Demonstration gegen Gewalt an Frauen in Suva. Fidschi 1999, © PETER WILLIAMS/ÖRK

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Die Pazifik-Region besteht aus mehr als 2000 Inseln, die sich auf über 30 Inselgruppen verteilen. Kulturell und geographisch gliedern diese sich in drei Hauptgebiete: Polynesien, Melanesien und Mikronesien. Sie sind ein geographisches Gebiet, das im Westen an die Philippinen, im Süden an Australien und Aotearoa-Neuseeland und im Nordosten an Hawaii grenzt.

Obwohl sie einige Merkmale teilen, sind diese Inselnationen sehr unterschiedlich. Kanaky und Nauru bestehen aus einer einzigen Insel, während die Marshallinseln über 1000 Inseln umfassen. Neuguinea ist das weitaus vielseitigste Land mit mehr als 1000 verschiedenen ethnischen Gruppen, die mehr als 800 Sprachen sprechen.

Oft beherrschen uralte Sitten diese Inseln. 50 000 Jahre lang waren sie unbewohnt, bis langsam Menschen in kleinen Gruppen aus Asien einwanderten. Im 16. Jahrhundert begannen spanische Eroberer mit ihren Missionaren die Region zu durchdringen. In den letzten 150 Jahren brachte die westliche Welt dramatische Veränderungen mit sich - in Technologie, Energieversorgung, staatlichen Sozialleistungen, Erziehung und Bildung sowie in der Gesundheitsversorgung. So wurden die meisten Inselnationen von den entwickelten Staaten abgehängt.

Während die Menschen auf den Inseln einst fähig waren, ein einfaches, aber unabhängiges Leben zu führen, wurden sie im Rahmen der Weltwirtschaft an den Rand gedrängt und verarmten. Die einzige Ausnahme war die Insel Nauru, die einst die reichsten Phosphorvorkommen der Welt besaß. Gewinne aus dem Abbau und heutzutage aus den internationalen Bankgeschäften hatten sie zu dem reichsten Inselstaat des Gebietes gemacht, zumindest für einen Teil der Bevölkerung. Allerdings hat der Bergbau 80 Prozent des Landes unbewohnbar gemacht, so dass es zur Überbevölkerung der restlichen 20 Prozent kam. Heute steckt das Land in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise.

Abgesehen von wirtschaftlichen Schwierigkeiten kennzeichnen Gewalt und politische Instabilität einige dieser Inselnationen. In Fidschi kommt es zwischen den 60 Prozent der Bevölkerung, die melanesisch sind, und den 40 Prozent indischer Herkunft immer wieder zu Spannungen und Unruhen. Die Insel Bougainville in Papua-Neuguinea war ebenfalls betroffen von gewaltsamen Auseinandersetzungen und versucht ein von Neuguinea unabhängiger Staat zu werden. Ein Putsch auf den Salomonen-Inseln im Jahr 2000 führte zu einer bis heute dauernden politischen Krise. Auf Vanuatu herrscht ebenfalls politische Instabilität. Zwei Inselnationen, Kanaky und Tonga, befinden sich zurzeit inmitten schwieriger politischer Umwälzungen. Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Frankreich benutzen weiterhin einige der Inseln für ihre militärischen Zwecke. Überall auf den Inseln sehen die indigenen Völker ihre Traditionen, Kulturen, Sprachen und ihre Menschenrechte bedroht.

Die pazifischen Staaten werden häufig von Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Wirbelstürmen heimgesucht. Radioaktiver Niederschlag von Waffentests, die Frankreich in Französisch-Polynesien und die USA auf den Marshallinseln durchführten, hat Gesundheitsschäden in der Bevölkerung verursacht. Globale Erwärmung lässt den Meeresspiegel ansteigen und viele Inseln verschwinden oder schrumpfen. Tuvalu ist besonders vom Klimawandel bedroht, da ein Großteil der Insel nur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt.

1879 brachte die Londoner Missionsgesellschaft das Christentum nach Tahiti. Anfang des 19. Jahrhunderts gründeten die Methodisten, die Presbyterianer, die römisch-katholische Kirche und die Anglikaner Kirchen auf den größeren Inseln. Im 20. Jahrhundert kamen die Siebenten-Tags-Adventisten, die Bahá'i und die Mormonen. Heute ist das Christentum die am weitesten verbreitete Religion auf den Inseln.

Angesichts der riesigen Entfernungen, der Isolierung und der enormen kulturellen und sprachlichen Unterschiede in der Pazifik-Region übernahm die christliche Kirche die Rolle eines Mittelpunktes und einer einigenden Kraft in der pazifischen Gesellschaft, obwohl sie selbst oft von ihrer eigenen konfessionellen Provinzialität behindert wurde. Die Pazifische Konferenz der Kirchen hat daran gearbeitet, diese Provinzialität durch Workshops und die Förderung einer pazifikweiten Forschung zu überwinden. Es gibt auch mehrere ökumenische Räte, die in der Region operieren, wie zum Beispiel der Nationale Kirchenrat in Amerikanisch-Samoa, der Rat der Kirchen von Papua-Neuguinea, der Rat der Kirchen von Samoa und der Nationale Kirchenrat von Tonga. Die ÖRK-Mitgliedskirchen in den unabhängigen Inselstaaten der Pazifik-Region sind in den Länderprofilen aufgelistet. Es gibt drei ÖRK-Mitgliedskirchen auf Inseln, die noch immer mit den Kolonialmächten verbunden sind: die Kongregationalistisch-Christliche Kirche in Amerikanisch-Samoa (USA), die Christliche Kirche der Cook-Inseln (Neuseeland) und die Kongregationalistisch-Christliche Kirche von Niue (Neuseeland). 

Weitere Informationen über Kirchen und Länder im Pazifik:

Regionale ökumenische Organisationen:

Länderprofile:

Bevölkerung:

8 Millionen

Staats- und Regierungsformen:

unabhängige und abhängige Gebiete, demokratische Republik, Bundesrepublik, Republik, konstitutionelle Monarchie, parlamentarische Demokratie (Republik und Monarchie)

Sprachen:

Englisch, Fidschi, Hindustani, Französisch, Tahitisch, Chinesisch, Melanesisch, Uveanisch, Javanesisch, Vietnamesisch, Gilbertesisch, Marshallesisch, Trukesisch, Ponapeanisch, Yapesisch, Takuuanisch, Kosreanisch, Nauruisch, Palauisch, Samoisch, Solomon Pidgin, Tonganisch, Tuvaluisch, Bislama und mehr als 1000 weitere Sprachen.

Inseln:

Polenisia oder Polynesien bedeutet viele Inseln. Polynesien ist die größte der drei Hauptregionen. Zu ihr gehören Neuseeland, Hawaii-Inseln, Rotuma, Midway-Inseln, Samoa-Inseln, Tonga, Tuvalu, Cook-Inseln, Französisch-Polynesien und Osterinseln.

Melanesien bedeutet schwarze Inseln. Zu Melanesien gehören Papua-Neuguinea, Kanaky (Neukaledonien), Salomon-Inseln, Vanuatu und Fidschi.

Maikronisia oder Mikronesien bedeutet kleine Inseln. Zu Mikronesien gehören Guam, Wake-Inseln, Palau, Marshall-Inseln, Kiribati, Nauru, Föderierte Staaten von Mikronesien und die Marianen.

Religion:

Christentum, Hinduismus, Islam, chinesische Volksreligion, Buddhismus, Bahá'i, ethnische und andere Religionen.

Quelle: In Gottes Hand - Gemeinsam beten für die Welt, Gebete aus der weltweiten Ökumene. In Zusammenarbeit mit dem ÖRK herausgegeben von Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK), Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Weltgebetstag der Frauen (WGT) in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Verlag O. Lembeck Frankfurt a.M., Bonifatius Verlag Paderborn, 2008